OLDENBURG - Dioxin sieht man nicht, man riecht es nicht, man kann es auch nicht schmecken. Dioxin im Ei kann man nur chemisch nachweisen und dafür braucht man Wissenschaftler, Techniker, Laborgeräte im Wert mehrerer Millionen Euro und sehr viel Geduld.
Claudia Wenzel steht in Zimmer 161 im ersten Stock eines Zweckbaus im Oldenburger Stadtteil Kreyenbrück, Dioxin-Labor steht an der violetten Tür. Die Wissenschaftlerin ist eine von elf Mitarbeitern des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves), die täglich Ei-Proben auf Dioxin testen. Zwei Wochenenden hat das Team schon durchgearbeitet. Denn das Verfahren ist aufwendig: Das Dioxin befindet sich im Fett des Eis, erklärt Wenzel, also müssen wir erst das Fett aus dem Ei herauslösen.
Dazu wird die Probe wieder und wieder aufbereitet, bis alle Restbestände entfernt wurden, drei bis vier Tage dauert das im Normalfall. Erst danach kann das Fett, in einem winzigen Gläschen, zu Raum 165 getragen werden. Dort steht der große Gaschromatograph, gekoppelt mit einem Massenspektrometer, er misst und misst rund um die Uhr und irgendwann zeigt er dann in zackigen Ausschlägen den Dioxin-Gehalt des Eis an.
Für einen einzigen dieser Apparate können Sie sich locker ein Einfamilienhaus hinstellen, so teuer ist der, sagt Konrad Scholz. Der Laves-Vizepräsident sitzt mit Präsident Eberhard Haunhorst in der Behördenzentrale am Röverskamp, zehn Autominuten vom Labor entfernt. Das Bürotelefon haben die Männer aufs Sekretariat umgestellt, aber abwechselnd klingeln ihre Handys. Wir haben hier ständig Medienanfragen, erklärt Haunhorst. Die Zeit drängt, um 17 Uhr steht die tägliche Telefonkonferenz mit dem Ministerium an. Alle Laves-Mitarbeiter sammeln zurzeit reichlich Überstunden an.
Das Niedersächsische Landesamt ist eine riesige Behörde: 880 Mitarbeiter gibt es, mehr als 600 arbeiten in den acht verschiedenen Untersuchungseinrichtungen, eine davon ist die Lebensmittelüberwachung an der Oldenburger Martin-Niemöller-Straße. Täglich werden dort Lebensmittel untersucht, die von den Veterinärämtern der Landkreise oder von eigenen Untersuchungsteams bei unangemeldeten Stichproben eingesammelt werden.
Auch die aufwendigen und damit teuren Dioxin-Tests gehören zur täglichen Routine, betont Haunhorst, gut 1000 Proben prüfe man jährlich auf Dioxin. 500 bis 700 Euro kostet ein Test da kommt also einiges zusammen, sagt der Präsident. Trotzdem soll der Bereich Dioxin-Tests weiter ausgebaut werden: Drei Millionen Euro will das Land investieren, damit wir so bald wie möglich auf 1500 Tests kommen können. Die Entscheidung für den Ausbau sei vor dem aktuellen Skandal gefällt worden. Derzeit liege der Jahresetat des Laves bei 52 Millionen Euro.
Es geht einiges an Steuermitteln in die Lebensmittelsicherheit, sagt Haunhorst. Trotzdem: Die Verantwortung für die Lebensmittelsicherheit liegt laut Gesetz bei den Unternehmen. Wir können nur stichprobenartig überprüfen, ob sie ihrer Sorgfaltspflicht gerecht werden.
