Oldenburg - „Ich liebe Familienunternehmen“, bekennt Lencke Steiner gleich zu Beginn. Dabei seien sie „immer Fluch und Segen zugleich“, auch wenn bei ihr der Segen bislang mit 90 Prozent überwiegen würde, wie sie lächelnd sagt. Dass Fluch und Segen bei Familienunternehmen aber immer eng zusammenliegen würden, zeige sich insbesondere, wenn es um das Thema Nachfolge geht.

Die 32-Jährige, die seit acht Jahren gemeinsam mit ihrem Vater das Bremer Verpackungsunternehmen W-Pack leitet, schilderte am Donnerstagabend den über 200 Gästen beim LzO Info Treff „Dialog Mittelstand“ in Oldenburg, wie sie und ihre Familie den Generationswechsel angegangen sind. Ihr sei früh klar gewesen, in den elterlichen Betrieb einzusteigen, sagte Steiner, vielen TV-Zuschauern auch durch die Gründershow „Die Höhle der Löwen“ bekannt ist. Deshalb habe sie es auch als segensreich empfunden, früh Verantwortung übernehmen zu dürfen.

Schnell habe sich aber auch gezeigt, dass zwei Führungsstile aufeinandergeprallt seien – der eher autoritäre und patriarchalische ihres Vaters und ihr eigener, den sie als „kommunikativ-konsequent“ beschrieb. Eine der Kernaufgaben müsse es deshalb sein, die unterschiedlichen Stile zusammenzuführen und zugleich die Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten unter den Generationen klar zu regeln. Dazu könne auch ein „Family Governance Kodex“ beitragen.

In der anschließenden Diskussion betonte LzO-Vorstand Olaf Hemker, wie wichtig es sei, das Thema Unternehmensnachfolge rechtzeitig und systematisch anzugehen. „Die Komplexität wird oft unterschätzt“, sagte er.

Dem stimmte auch der Rechtsanwalt und Steuerberater Dr. Ulf Künnemann zu. Gesellschaftsrecht, Steuerrecht, Erbrecht und Unternehmensbewertung müssten unter einen Hut gebracht werden. „Viele Unternehmensübergaben scheitern, weil nicht rechtzeitig darüber gesprochen wurde“, sagte er.


Dass jeder Übergang anders ist und es nicht den einen Weg in Sachen Unternehmensnachfolge gibt, machten Franziska Lamping, Geschäftsführerin des Holzbauunternehmens Fritz Kathe & Sohn GmbH (Vechta), Jan Müller, Vorstand des Hafenlogistikers J. Müller AG aus Brake, und Markus Quathamer, geschäftsführender Gesellschafter Garten- und Landschaftsbau Quathamer (Bad Zwischenahn), deutlich.

Jörg Schürmeyer
Jörg Schürmeyer Thementeam Wirtschaft