OLDENBURG -
Von Klaus-peter Jordan
OLDENBURG - Ein zunehmendes Interesse an ethischen Maßstäben in der deutschen Wirtschaft hat der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Hermann von Laer von der Hochschule Vechta ausgemacht. In einer Diskussionsveranstaltung der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Konrad-Adenauer-Stiftung in Oldenburg zum Thema „Management, Macht, Moral“ sagte von Laer, bis vor wenigen Jahren sei dies kein Thema gewesen, weil der „Leidensdruck wegen der prosperierenden Wirtschaft nicht vorhanden war“. Inzwischen nehme die Armut in Deutschland aber zu und „wirtschaftliche Dinge sind nicht mehr einvernehmlich zu lösen“. Von Laer geht allerdings davon aus, dass Unternehmen auf vielen Feldern nicht auf ethische Grundsätze verpflichtet werden können, sie soziale Verantwortung aber oft aus Eigeninteresse organisieren.Nach Ansicht von Dieter Qualmann, Pfarrer und Leiter der Akademie der Ev.-luth. Kirche in Oldenburg, leben wir inzwischen in einem System, wo die Ökonomie in allen Lebensbereichen die Oberhand gewonnen habe. Statt dass Arbeit Vorrang vor Kapital habe, würde Arbeit „wie Bananen“ behandelt. In Zeiten der Globalisierung könne der Staat zwar nur noch wenig regeln, wie er das derzeit in Deutschland tue, sei aber „ein unsägliches Schauspiel“.
Für den Unternehmer Arno Leggewie (straschu Leiterplatten GmbH, Stuhr/Oldenburg) ist Ethik vor allem im Mittelstand ein Erfolgsfaktor. Gehaltsfindung, Arbeitsplatzgestaltung, Sozialgefüge in der Mitarbeiterschaft müssten so organisiert sein, dass größtmögliche Zufriedenheit erreicht wird. Nur wenn dieses Umfeld stimme, könnten die Mitarbeiter auch optimal für die Kunden des Unternehmens da sein.
Weitgehend einig waren sich die drei Diskussionsteilnehmer, dass in Zeiten der Globalisierung zur Einhaltung ethischer Maßstäbe in der Wirtschafts ein starker Staat notwendig sei. In Deutschland löse sich dieser aber gerade auf. Damit funktioniere auch die die notwendige Umverteilung nicht mehr.
