OLDENBURG - Für den etwas älteren Anfänger ist es zweifellos eine wackelige Angelegenheit. Unsicher steht er auf dem 85 Zentimeter langen Brettern mit den beiden Rollen. Wie beim Fahrradfahren gestaltet sich das Aufsteigen am schwierigsten. Doch schon nach wenigen Versuchen gelingt es, mit hektischen Hüftbewegungen eine kurze Strecke mit dem Waveboard zu fahren.

Die siebenjährige Lisa hat diese Erfahrung längst hinter sich. „Nach zehn Minuten hat man den Bogen raus“, sagt sie. Die Grundschülerin hat das Skateboard-ähnliche Sportgerät vor drei Monaten für sich entdeckt. „Seitdem fahre ich fast jeden Tag.“

Sortiment ausverkauft

Waveboard-Fahren ist in Deutschland ein neuer Trendsport, der auch in Oldenburg immer mehr Anhänger findet. Wie eine Umfrage der NWZ ergab, haben die wenigen Händler, die das bunte Brett anbieten, bereits Probleme, die Nachfrage zu befriedigen. „Wir waren vergangene Woche komplett ausverkauft und hatten dazu 20 Vorbestellungen“, berichtet Jörg Katins, Geschäftsführer des J.A.M. Stores. Er führt Waveboards seit einem halben Jahr im Sortiment. Spürbar zugenommen habe die Nachfrage aber erst in den vergangenen zwei, drei Monaten – und zwar bei Jungen und Mädchen. Etwa ein Drittel der Waveboarder sei weiblich.

Ähnliche Erfahrungen hat Dietmar von Hagenow, Inhaber des Geschäfts Flic Flac, gemacht: „Waveboarding ist ein echter Trend. Ohne große Werbung in den elektronischen Medien hat sich ein großes Interesse entwickelt.“


Auf das Waveboard wagen sich in der Hauptsache Kinder und Jugendliche. Die Zehn- bis 16-Jährigen machen die größte Gruppe aus. Es gibt aber auch viele Erwachsene, die das Sportgerät ausprobieren. „Ich kenne sogar einen 60-jährigen Waveboarder“, erzählt Tobias Pille.

Viele Tricks möglich

Der 19-Jährige kam – wie viele andere auch – über das Skateboardfahren zum neuen Trend. „Skateboard ist zweifellos schwerer zu erlernen. Mit dem Waveboard kann man aber fast 85 Prozent aller Skateboardtricks machen.“

Mit Freunden trifft sich Pille regelmäßig auf der Skateboardanlage an der Brandenburger Straße in Kreyenbrück. Die Jungs rollen dort über die Halfpipe und probieren gewagte Sprünge. Zu den eher schwierigen Aufgaben gehört der „Ollie“ – ein Sprung mit dem Brett über kleine Hindernisse.

Das Fahren hat sich Tobias Pille ebenso wie Jordan Matthäus selbst beigebracht. „Kurse gibt es meines Wissens noch nicht. In einigen Geschäften bekommt man aber die Grundkenntnisse beigebracht“, erzählt der 16-jährige Jordan.

Zum Schwung holen auf ebener Fläche sei nicht das Abstoßen vom Boden nötig, vielmehr erzeugen entsprechende Bein- bzw. Hüftbewegungen eine eigenständige Beschleunigung des Boards. So können selbst Steigungen bewältigt werden. „Ich fahre auch die Amalienbrücke hinauf“, sagt Pille.

Einfach Bremsen

Um mit dem Waveboard sicher fahren zu können, ist es wichtig, dass man immer auf die richtige Körperhaltung achtet. Gebremst wird auf eine ganz einfache Art: durch Absteigen.

Angesteckt am Waveboard-Fieber hat sich auch die zehnjährige Lisa. Seit zwei Monaten fährt sie regelmäßig auf dem rollenden Brett. „In unserem Viertel fahren schon vier Mädchen Waveboard“, berichtet die Schülerin.

Um noch mehr junge Leute zu begeistern, plant ein Oldenburger Verkaufsladen, Waveboards für den Sportunterricht in Schulen auszuleihen. Erfahrungen aus anderen Städten (u.a. Osnabrück und Hannover) hätten gezeigt, dass dadurch nicht nur Koordination, Ausdauer und Gleichgewichtssinn gefördert würden, sondern auch das soziale Verhalten der Kinder. Diejenigen, die schon fahren können, bringen es ihren Mitschülern bei.