OLDENBURG - Mit kräftigen Tritten kämpft der Rennradfahrer gegen den starken Gegenwind an, liegt flach auf dem Rad, macht sich klein, um dem Wind so wenig Angriffsfläche wie möglich zu bieten. Da hört er neben sich ein Surren. Ohne größeren Kraftaufwand zieht eine ältere Dame auf ihrem Tourenrad vorbei. Keine Hexerei. Der Trick: Die Seniorin lässt sich von einem kleinen zuschaltbaren Elektromotor unterstützen.

Voll im Trend

Die Frau liegt damit voll im Trend. Sogenannte Pedelec-Modelle (Pedal Electric Cycle) werden den Händlern derzeit regelrecht aus den Händen gerissen. Trotz stolzer Preise von zumeist 1700 bis 2200 Euro.

Die meisten E-Räder auf dem Markt kommen übrigens nicht aus Fernost, sondern aus dem Oldenburger Land. Derby Cycle (Kalkhoff) aus Cloppenburg ist Marktführer. „Der Marktanteil von E-Bikes liegt noch bei zwei bis drei Prozent, ein weiterer Anstieg ist in den nächsten Jahren zu erwarten“, sagt Derby-Cycle-Sprecherin Nadia Bremer. Auf zehn bis 15 Prozent könnte er anwachsen, das E-Bike werde das Straßenbild völlig verändern.

Räder bedienerfreundlich


Diese Einschätzung teilen auch Oldenburger Zweiradhändler. „Der Vorteil liegt in der rücken- und gelenkschonenden Fahrweise“, weiß Munderloh-Geschäftsführer Erwin Martens. Die Räder seien bedienerfreundlich und hätten dank eines technisch ausgereiften Lithium-Ionen-Akkus mit 80 Kilometern eine ausreichende Reichweite. Man unterscheide zwischen Pedelec mit Tretunterstützung und einem Elektrorad, das ausschließlich ohne zu treten mit Strom angetrieben wird. Rund ein Prozent der verkauften Räder ist bei Gerd Renschen von Zweirad Bunjes mit der elektrischen Tretunterstützung ausgerüstet. „Die Generation 50+ will mobiler werden oder mobil bleiben“, sagt der Geschäftsinhaber.

Rolf Bonke von der Fahrradstation Nord hat als Klientel Menschen aller Altersklassen ausgemacht, die 20 bis 25 Kilometer zu ihrer Arbeitsstelle zurücklegen müssen und sich dabei an frischer Luft dank moderner Technik unterstützen lassen möchten. Der Marktanteil wachse rapide an.

Gemeinsam unterwegs

Bei Matthias Beilken in Ofenerdiek kaufen auch viele ältere Menschen, die gemeinsam mit deutlich fitteren Freunden Radtouren unternehmen möchten, bislang nicht mithalten konnten, dank der Pedelecs nun aber wieder ganz weit vorne dabei sind. Stolze fünf bis zehn Prozent beträgt bei ihm der Pedelec-Anteil an allen verkauften Rädern. Als Zielgruppe sieht er auch beispielsweise Bankangestellte, die gern mit dem Rad zur Arbeit fahren aber nicht verschwitzt ankommen möchten. 250 Watt leisten die Motoren. Zum Vergleich: Um Tempo 20 zu erreichen, muss man mit 100 Watt Leistung in die Pedalen treten.

Keine Versicherungspflicht

„Versicherungspflichtig sind die Pedelecs nicht. Einen Führerschein braucht man auch nicht“, sagt Polizeisprecher Markus Scharf. Für E-Bikes, die schneller als 25 Kilometer fahren, gelte allerdings die Helm-, Versicherungs- und Führerscheinpflicht.

Zwar müsste die Antriebshilfe bei 25 Stundenkilometer eigentlich abschalten, doch lässt sich dieser Mechanismus relativ leicht abstellen oder wird von einigen Hersteller erst gar nicht eingebaut. Mit den Pedelecs lassen sich deshalb relativ bequem Geschwindigkeiten um 40 Stundenkilometer erreichen.

Für den Rennradfahrer bleibt die Hoffnung auf ein wenig Windschatten – hinter dem Schutzblech des Seniorenrades.