Oldenburg/Emden - Dr. Torsten Slink wurde einst in Kassel geboren. Aber er sagt aus ganzem Herzen: „Ich bin ein Ostfriese“. Vorfahren stammen aus Wiesmoor und Marienhafe. Und Slink, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Ostfriesland und Papenburg in Emden, lebt mit seiner Familie recht idyllisch in der Gemeinde Krummhörn.
Nun aber muss er eine gefühlte Grenze überwinden: Slink wechselt ins Oldenburger Land. Der 55-Jährige wird ab Anfang 2022 die Geschäfte der Oldenburgischen IHK führen, als Nachfolger von Dr. Thomas Hildebrandt. Dieser ebenfalls bestens vernetzte IHK-Hauptgeschäftsführer (zurzeit 62) geht zum Jahresende Rente.
Er geht bei der Oldenburgischen IHK bald in den Ruhestand: Dr. Thomas Hildebrandt. Foto: Burmann/IHK
Slink geht Dinge eben sportlich an, wie man es den Briten nachsagt. Seine Ehefrau Sian ist Engländerin, und er selbst, der viel in der Welt herumgekommen ist, sagt: „England ist wunderschön“, und mit Blick auf den Brexit, trotz aller Anpassungsprobleme: „Wir sollten auch unsere Chancen sehen. Und vielleicht können wir etwas daraus lernen.“
Dr. Torsten Slink verlässt die Industrie- und Handelskammer (IHK) für Ostfriesland und Papenburg, um Anfang 2022 Hauptgeschäftsführer bei der Oldenburgischen IHK zu werden.
Er übernimmt dort den Posten von Dr. Thomas Hildebrandt. Der lebt in Friesland und geht in den Ruhestand.
Nachfolger von Torsten Slink in Emden wird Max-Martin Deinard, zurzeit Hauptgeschäftsführer der IHK Ulm. Deinard wurde in Delmenhorst geboren und wuchs in Gruppenbühren (Kreis Oldenburg) auf. Alle drei haben also engen Bezug zum Nordwesten.
Region soll gemeinsam vorgehen: Beispiele
Was schwebt dem künftigen Oldenburger vor? Etwa: Im Nordwesten sollte man kooperieren – untereinander, und mit den benachbarten Niederlanden. Slink nennt gleich zwei Themen, bei denen man schon an einem Strang zieht: die angepeilte Zugverbindung von Groningen über Leer/Oldenburg bis Bremen („Wunderline“) und das Medizin-Projekt „European Medical School“. Es hat dazu auch schon gemeinsame Sitzungen in Emden gegeben.
Für Torsten Slink ist das einfach naheliegend. Er hat nach dem Jura-Studium den Weg durch mehrere Kammern absolviert. Er war aber einst auch in den USA und in der gemeinsamen IHK-Repräsentanz in Brüssel. Dort lernte er auch seine Frau kennen.
Und er hat auch schon die Handelskammer in Bremen geleitet (9 Jahre), dann Emden (fast 12). „Ich habe mich dem Oldenburger Land quasi vom Osten und vom Westen genähert“, sagt Slink schmunzelnd. Tatsächlich ist er so wohl einer der besten Wirtschaftskenner des Nordwestens.
Image von Ostfriesland stimmt so nicht
Ostfriesland werde oft falsch gesehen, sagt der IHK-Hauptgeschäftsführer. Auswärts sehe man oft nur die Großen: VW, Enercon und die nahe Meyer Werft. „Aber es gibt hier auch viele blühende kleinere, teils marktführende Unternehmen“, betont der Kammer-Chef. Als Erfolgsstory der Region sieht er auch die immer noch relativ junge Offshore-Windproduktion, „mit allem was da dranhängt, wie Betriebsführung, Versorgung und Wartung, bis hin zum Hubschrauber-Flugbetrieb“.
Die Region stehe zudem viel besser da als früher, sie zeige sich auch in der Corona-Phase robust. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sei viel höher, die Arbeitslosenquote niedriger als vor einigen Jahren oder gar Jahrzehnten: Keine Spur mehr vom einstigen „Armenhaus der Republik“.
Riesen-Chancen sieht Slink unter anderem weiter in der Energiewende und im grünem Wasserstoff – mit reichlich heimischem Wind als Rohstoff. Und dann der „Traum von einer Batteriefabrik“. Inhaltlich habe er „oft für die Infrastruktur gekämpft“, sagt Slink über seine Arbeit in Emden, das drehte sich um Fernstraßen, die Ems und die Bahn, als Basis der Entwicklung. In zahllosen Gesprächen ging es auch um mögliche Ansiedlungen – auch etwa von Zulieferern, die den Strukturwandel im Zusammenhang mit dem Emder VW-Werk (Neu-Ausrichtung auf Elektroautos) voranbringen könnten. Hier zeigt sich Slink erleichtert, dass VW auch selbst einen Milliardenbetrag am Standort investiert, sich quasi „bekennt“. Zu seinen aktuellen Lieblings-Projekten zählt „Innovatives Ostfriesland“, das auf frische Impulse abzielt.
Auch ein großer Standortvorteil der Region, gerade im Hinblick auf junge Familien, werde gern übersehen, sagt Slink: Die günstigen Wohnkosten in Ostfriesland, die guten Schulen und Hochschule. Das alles war auch für den IHK-Manager ein Kriterium, als er einst mit seiner Frau und zwei kleinen Töchtern ins Emder Umland zog. Über Mittag kann er ohne viel Aufwand mal kurz nach Hause, raus aufs Land fahren.
In Oldenburg wird es interessant
Die Kinder sind nun aber groß, das Ehepaar Slink übernimmt neue Aufgaben in Oldenburg – und man hält schon nach einem kleineren Domizil Ausschau. Idealerweise wird der IHK-Chef auch am neuen Standort – neben den ganzen dienstlichen Terminen in regionalen Wirtschaftsangelegenheiten – seinen Hobbys etwas nachgehen, die vom Holzhacken über Gartenarbeit bis Laufen oder auch Windsurfen reichen. „Ich treibe gern Sport“, bekennt der Neue.
Es wird in Oldenburg so oder so interessant werden – auch deshalb, weil in Kürze ein neuer Präsident gewählt wird. Gert Stuke (73), Unternehmer aus Friesoythe, tritt bei den Kammerwahlen in diesem Jahr nicht wieder an.
Aber Slink freut sich auch auf spannende Themen. „Wo es geht, sollten wir auch versuchen, mit Wasserstoff neue Wertschöpfung zu generieren“, nennt er ein Zukunftsthema für das Oldenburger Land. Dabei denkt er auch gleich an Wilhelmshaven und dortigen Anlandungs-, Speicherungs- und Verwendungsmöglichkeiten. Generell fasziniert ihn die „Vielseitigkeit“ der Branchen in seinem neuen Kammerbezirk. Es sei doch spannend, in diesem Umfeld mit der IHK „Dinge zu bewegen“. Die neue Kammer ist zudem noch mal deutlich größer als die bisherige.
Wer wird sein Nachfolger? Der Oldenburger IHK-Präsident Gert Stuke tritt bei den Wahlen in diesem Jahr nicht wieder an. Mit dem Nachfolger wird der neue Hauptgeschäftsführer Torsten Slink eng zusammenarbeiten. Bild: Burmann
Aber Inhaltlich ist Slink einstweilen noch ganz auf Ostfriesland fixiert: „Was wird noch übrig bleiben?“, fragt er sich voller Sorge über die Corona-Folgen und mit Blick auf die Innenstädte. Und er hängt sich mit seinen Kammer-Mitarbeitern weiterhin voll rein in die Abmilderung der Corona-Folgen - wie schon ganz am Anfang, als es um die Rettungshilfen ging, konkret ihre schnelle Vermittlung an die Unternehmen der Region. Und heute vor allem: „Wir kämpfen für Öffnungen – für Hotels und Pensionen, Restaurants, Einzelhandel.“
