OLDENBURG/EMDEN - „Es ging mir richtig schlecht“, sagt Auguste Meints. Und es fällt ihr schwer zu glauben, dass es ihr dank einer neuen Herzklappe wieder gut geht. Noch vor vier Wochen machten der rüstigen Rentnerin aus Emden selbst kleinste körperliche Anstrengungen zu schaffen. Auch nachts litt sie unter massiver Atemnot. „So wollte ich nicht mehr leben. Ich dachte: Wenn Gott mich jetzt holt, holt er mich“, erinnert sich die 79-Jährige.

Im Herz-Kreislauf-Zentrum des Klinikums Oldenburg wurde Ende März die Verengung einer Herzklappe diagnostiziert. Und nur zwei Tage später konnte Auguste Meints bereits mit einer neuen Behandlungsmethode geholfen werden. „Für bestimmte Patienten mit Herzklappenerkrankungen kommt eine Operation nicht in Frage, weil das Risiko zu groß ist“, sagt Prof. Dr. Albrecht Elsässer, Klinikdirektor für Kardiologie.

Für solche Risikopatienten die oft unter Begleiterkrankungen leiden, bietet die neue Methode die letzte Behandlungsoption. Denn sie ist schonender als die konventionelle Art der Behandlung, da sie ohne die Öffnung des Brustkorbs und ohne den Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine auskommt.

Bevor die neue Herzklappe platziert werden kann, muss die alte, defekte Klappe entfernt werden. Dazu wird ein Ballon mit dem Katheter von der Leiste in Richtung Herz geführt und dort aufgeblasen. Dadurch wird die defekte Klappe „gesprengt“. Die neue Herzklappe besteht aus Schweineherzbeutelgewebe, das an einem speziellen Drahtgeflecht aus dem „temperaturfühligen“ Metall Nitinol fixiert ist. In einem zweiten Schritt wird die Herzklappe an der Spitze des Katheters mit Hilfe von Eiswasser zusammengefaltet und an die richtige Stelle geführt, wo sie sich auf Körpertemperatur erwärmt und entfaltet.

Auch an der Medizinischen Hochschule in Hannover und im Deutschen Herzzentrum in München wurden auf diese Weise schon Patienten behandelt. Im Nordwesten ist die Methode jedoch in Oldenburg einzigartig. Doch trotz des Erfolges bleibe bei Herzklappenfehlern die Operation der „Goldstandard“, sagt Prof. Dr. Otto Dapunt, Klinikdirektor der Gefäßchirurgie. Auguste Meints lacht jedenfalls wieder: „Ich habe mich nie besser gefühlt.“