OLDENBURG - Wenn der Wind kräftig weht, duftet es in der betriebseigenen Kindertagesstätte (Kita) Kita des Energieversorgers EWE in Oldenburg schnell mal nach frischen Waffeln. Dann nämlich leuchtet an einer eigens in Öko-Grün markierten Steckdose in der Küche ein Lämpchen auf und signalisiert ausreichend Windenergie für die Zubereitung der Leckerei. Produziert werde der Windstrom in der Kita „Biberburg“ von einer eigenen Miniwindkraftanlage, sagt EWE-Sprecher Christian Blömer.
Interesse wecken
Die sei technisch so konzipiert, dass sie kaum Propellergeräusche mache und die Errichtung auf Dächern keine Vibrationsschäden verursache. Die Anlage laufe bereits bei einer Windgeschwindigkeit von 1,5 Metern pro Sekunde an und produziert ab 3,5 Meter pro Sekunde Strom. „Mit einem Rotordurchmesser von etwa zwei Metern wird eine Nennleistung von etwa 1000 Watt bei zwölf Metern pro Sekunde erreicht“, sagt Blömer.
In der Kita „Biberburg“ gehörten grüne Steckdose und Miniwindrad zum Erziehungskonzept für einen umweltbewussten Umgang mit Energie. Zugleich solle damit spielerisch das Interesse der Kinder an naturwissenschaftlichen Themen geweckt werden.
Immer mehr Gewerbebetriebe und Landwirte, aber auch private Hausbesitzer setzten auf autarke Versorgungssysteme und investierten in Kleinwindkraftanlagen mit Ausgangsleistungen von 10 oder 15 Kilowatt, sagt Kai-Uwe Broek von der Firma Aircon, einem Hersteller von Windanlagen aus dem ostfriesischen Aurich. Grundsätzlich eigneten sich solche Anlagen für jeden, der ein gutes Windaufkommen am Standort in Nabenhöhe und einen Stromverbrauch habe, der mindestens doppelt so hoch ist wie der voraussichtliche Ertrag der Anlage.
Eine hundertprozentige Eigenversorgung durch eine private Windkraftanlage sei ohne Energiespeicherung jedoch nicht möglich. Bei Flaute müsse weiterhin Energie aus dem Netz bezogen werden, sagt Broek. Zwar sei eine autarke Lösung mit Akkus durchaus machbar, bislang aber wirtschaftlich nicht sinnvoll, wenn ein Netz zur Verfügung stehe.
„Auch wenn es sich bei solchen Minianlagen eher um ein Nischenprodukt für Liebhaber handelt, stehen wir der Entwicklung durchaus positiv gegenüber“, sagt Michael Kralemann, Sprecher des niedersächsischen Landesarbeitskreises Energie bei der Umweltorganisation BUND. Aufgrund ihres Wirkungsgrades böten solche Miniwindräder aber „keinen Ersatz für Großanlagen“. Für die Eigenversorgung, speziell an abgelegenen Stellen, seien sie aber eine sinnvolle Alternative.
Der Unterschied zu einer großen Anlage ist augenfällig: Während sich Anlagen in Windparks auf bis zu 130 Meter hohen Türmen drehen, begnügen sich Kleinanlagen mit 2 bis 30 Metern.
Hohe Kosten
Allerdings sei der Weg zur umweltfreundlichen Energiegewinnung durch Windkraft vor allem für Kleinanwender nicht immer leicht, sagt Blömer und verweist auf die Kosten. So schlügen Investitionskosten in Höhe von 2500 bis 8000 Euro je gewonnenem Kilowatt Windenergie zu Buche, die bei Großanlagen mit 1000 Euro pro Kilowatt geringer ausfallen. Auch seien Genehmigungen nicht immer einfach zu bekommen. Schuld daran seien Vorurteile wie die „Verspargelung“ der Gegend.
Die gravierendste Hürde sei allerdings, dass es „bislang noch sehr schwierig ist, Kleinwindkraftanlagen wirtschaftlich zu betreiben“. Das liege nicht zuletzt an den spezifischen Stromerzeugungskosten, die wesentlich höher seien als die für Großanlagen.
Mini-Anlagen stellten derzeit einen Nischenmarkt dar, der sich aber entwickele, sagt Blömer. EWE beobachte den Markt und prüfe, „wie tragfähige Geschäftsmodelle mit Miniwindrädern aussehen können“. Entdeckt habe man ein solches aber noch nicht.
