OLDENBURG - Es ist mehr als ein Auftrag – es ist eine Herzensangelegenheit: Hans-Georg Oltmanns, Bauingenieur aus Oldenburg, will dem Hundeschlittenführer Björn Klauer eine Brücke über einen Kanal in Norwegen bauen. „Von Musher zu Musher“, sagt der 61-Jährige. Musher nennt man den Lenker eines Gespanns von Schlittenhunden.

Hans-Georg Oltmanns startete im März 2000 selbst beim Finnmarkslopet, einem Hundeschlittenrennen über rund 1000 Kilometer durch die Norwegische Wildnis. Seither nie wieder. Dass die Rennen inzwischen als Leistungssport betrieben werden, hat ihm weitere Starts verleidet. „Mir geht es einfach darum, gemeinsam mit den Hunden anzukommen“, erläutert er. Ein Husky könne 100 bis 150 Kilometer am Tag laufen, solle aber ausgiebige Pausen bekommen. „Inzwischen laufen sie oft über 200 Kilometer am Tag“, sagt er. Das sei ihnen nicht zuzumuten.

Die Begeisterung für die Tiere und die Wildnis ist geblieben. Jedes Jahr fährt er nach Norwegen zu seinem Freund Jörn Johannessen, um für ein paar Tage das entschleunigte Leben der Wildnis zu erfahren. Andere Oldenburger waren seinem Beispiel gefolgt – und bei Björn Klauer gelandet, einem anderen Musher, der in Bardu, Norwegen, Touren mit Hundeschlitten anbietet.

Seit einigen Jahren hat Björn Klauer ein Problem: Ein Kühlwasserkanal für ein Kraftwerk teilt die Landschaft. 50 Kilometer Umweg, teils über Straßen, muss er in Kauf nehmen. Eine Brücke – etwa 20 Meter lang und in circa sechs Metern Höhe – schien auf dem abgelegenen Gelände kaum realisierbar.

Bis Hans-Georg Oltmanns im Frühjahr 2009 einige der hoffnungslosen Pläne zu Gesicht bekam. Sein Schlüssel zur Lösung: Stahlseile. Über vier schräg angesetzte Pfeiler gespannt, halten sie den hölzernen Belag zusammen. Das Ergebnis hat der Ingenieur bereits als 3-D-Grafik auf einem Bildschirm in seinem Büro: Es sieht der Golden Gate Bridge nicht unähnlich, nur kleiner.


Die Ansprüche an das Bauwerk sind gestiegen: Nicht nur Schlitten, auch Schneemobile und Rettungsfahrzeuge sollen sie überqueren. Auf einer 2,30 Meter breiten Fahrbahn wird das möglich sein. Dabei wiegt die Konstruktion aus 320 Metern Stahlseil nur 200 Kilogramm; einschließlich der Pfeiler und des Holzbelags, gibt Oltmanns an, werde das Bauwerk etwa viereinhalb Tonnen wiegen.

Rund 2000 Euro will er Björn Klauer berechnen. Die bereits verknüpften Seile lädt er einfach in den Kofferraum, im Juni will er sie nach Bardu bringen. Die fehlende Holzkonstruktion übernimmt die Klasse einer Fachhochschule, die Klauer nach Bardu eingeladen hat. Zwei Wochen Urlaub und ein spannendes Projekt sind Lohn genug.

Auch für Hans-Georg Oltmanns ist das Vergnügen am Projekt entscheidend. Er bekennt: „Wir sind eben vernarrt in diese Mensch-Hund-Beziehung.“

Timo Ebbers
Timo Ebbers Online-Redaktion (Ltg.)