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Ermittlungen Der Jäger der untreuen Eheleute

Evelyn Eveslage

OLDENBURG - Der Motor heult auf, die Frau rast bei Gelb über die Ampel. Sie hat ihren Verfolger abgehängt – denkt sie. Was sie nicht weiß: Unter ihrem Auto klebt ein Ortungsgerät. Bernard Schrauwers weiß ganz genau, wo sie hinfährt.

Schrauwers, 32 Jahre alt, ist Privatdetektiv, Verfolgungsjagden sind sein täglich Brot. Seit 10 Jahren ist er selbstständig, mittlerweile betreibt er vier Detekteien in ganz Deutschland, eine davon in Oldenburg. Wann immer es legal ist, ein GPS-Gerät als Ortungsgerät unter dem Auto einer Zielperson zu montieren, nutzt Schrauwers die Gelegenheit.

Hoher technischer Aufwand

Seine Kleidung ist unauffällig. In schwarzer Lederjacke und dunkler Jeans sitzt der kräftige 32-Jährige in seinem Observationsbus. Stolz zeigt er seine Überwachungsgeräte. „Die Kamera als schwarzer Hemdsknopf ist natürlich der Klassiker, aber sie ist sehr effektiv“, erklärt Schrauwers. Das GPS-Ortungsgerät ist magnetisch und wird einfach an der magnetischen Unterseite des Autos der Zielperson angeheftet. Ein Nachtsichtgerät, hochwertige Kameras mit 70-fachem Zoom und weitere Videokameras gehören ebenso zur Ausstattung des Privatdetektivs wie ein Laptop mit mobilem Internetzugang. So kann er Zielpersonen auf Schritt und Tritt überwachen.

Zielpersonen – das sind für den Privatermittler vermeintlich untreue Ehepartner wie die Frau in dem Wagen. Oder Arbeitnehmer, die sich bester Gesundheit erfreuen und sich trotzdem krank schreiben lassen. „Insgesamt gibt es drei große Auftragsfelder für uns: die Wirtschaftskriminalität, die Auskunftsdetektei und private Ermittlungen bei Ehebruch und Co.“, sagt er.

Spezialisiert sind Schrauwers und sein dreiköpfiges Ermittlerteam auf Arbeitnehmerüberwachung. „In einigen Fällen handeln die Zielpersonen echt kriminell“, sagt der Privatermittler mit leichtem Berliner Dialekt, „zum Beispiel, wenn Mitarbeiter Einnahmen unterschlagen.“ So hat die Arbeit der Detektive – wie beim bewiesenen Fremdgehen des Ehepartners – oft auch gerichtliche Bewandtnis: „Gerade wenn es um Unterhaltsansprüche oder Industriespionage geht, werden unsere Bilder als Beweismittel in Prozessen gebraucht.“


Auf der Seite der Guten?

Schrauwers siedelt Detektive zwischen Polizei und Staatsanwaltschaft an, „wir sind wie ein Organ der Rechtspflege“. Mit seiner „Schnüfflerarbeit“ sieht er sich auf der Seite der Guten. Er wünscht sich deshalb mehr gesellschaftliche Anerkennung für seinen Beruf und kritisiert die mangelnde Verbindlichkeit der Detektiv-Ausbildung.

So ein „Schnüffler für die Gerechtigkeit“ war für Schrauwers auch Sherlock Holmes, der berühmte Detektiv aus den Romanen von Sir Arthur Conan Doyle. „Mit 16 habe ich die Romane verschlungen. Bis jetzt ist der alte Sherlock ein Vorbild für mich geblieben“, sagt er und kratzt sich mit seinen kräftigen Finger am Kinnbart.

„Natürlich verfolgt man nicht den ganzen Tag lang nur Zielpersonen, so ungefähr 30 Prozent der Arbeit sind Recherchen“, sagt Schrauwers. Auf der Suche nach Informationen über die Zielperson nutzen die Ermittler gern die soziale Internetplattform Facebook, „das ist ja wie eine riesige Personenkartei“, erzählt der Detektiv.

Gute Vorbereitung gilt jedoch nicht nur für die Recherchen: Neben einer Kühltruhe für lange Einsätze hat Schrauwers immer einen Koffer mit Wäsche und Utensilien in seinem Auto. So kann er eine Zielperson schon mal zehn Tage lang verfolgen.

Für die Verfolgung per Auto stehen den Privatermittlern drei Einsatzfahrzeuge zur Verfügung: einen neuen BMW, einen heruntergekommenen Nissan Micra und einen Observationsbus – jeweils passend zur Wohngegend der Zielperson.

An den kargen Innenwänden im Laderaum seines weißen Ford Transits hängen zehn verschiedene Textilgarnituren. Neben den Überwachungsgeräten sind das die einzigen Gegenstände im Auto. „Wenn die Verdachtsperson in die Oper geht, brauche ich eben einen Smoking“, sagt der gebürtige Berliner, „Detektivsein heißt, sich 100-prozentig dem Verhalten der Zielperson anzupassen – das gilt vor allem für Verfolgungen zu Fuß.“ Seine Wendejacke wird dabei zu einem wichtigen Hilfsmittel.

Bernard Schrauwers hat die Hände vor dem stattlichen Bauch gefaltet und die Füße übereinander gekreuzt. Er strahlt die Ruhe aus, die ein Privatdetektiv für das manchmal 16-stündige Warten im Einsatzfahrzeug braucht – denn auch das gehört zum Alltag. Frostbeulen und Lungenentzündungen sind im Winter häufige Begleiterscheinungen der endlosen Observationsschichten im Überwachungsfahrzeug. Besonders gut geeignet für den Detektivjob seien übrigens ehemalige Bundeswehrsoldaten, sagt Schrauwers: „Die haben gelernt, Harndrang und Hunger auszuhalten.“ Das weiß er aus Erfahrung, er ist Lehrbeauftragter an der Berliner Sicherheitsakademie.

Gute Auftragslage

Als Privatdetektiv bearbeitet er 60 bis 70 Aufträge im Jahr – davon kann er gut leben. In drei von vier Fällen bestätigt sich der Verdacht. „Zum Zyniker bin ich trotzdem nicht geworden, mein Menschenbild ist nach wie vor gut“, sagt der 32-Jährige und lacht. Dabei ist seine Raucherlunge deutlich zu hören. Bei Stress raucht Schrauwers 25 Zigaretten täglich.

So ungesund der Job klingen mag, es gibt auch positive Überraschungen: „Mein bisher angenehmster Job war es, einer untreuen Ehefrau in ihren Urlaub bis nach Italien zu folgen.“

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