OLDENBURG - Defibrillatoren erhöhen die Überlebenschancen auf 60 Prozent. Hartmut Apeler verdankt dem Gerät sein Leben.

Von Jens Joest

OLDENBURG - „Ich hatte gerade mit meiner Frau getanzt, dann bin ich nach hinten umgefallen – wie ein Baum“, sagt Hartmut Apeler. „Vom Aufprall habe ich schon nichts mehr mitbekommen.“ Der 53-Jährige ist Anfang Oktober bei einem Sockenball in der Liebfrauenschule mit Herzkammerflimmern umgekippt. Dass er noch lebt, verdankt Apeler dem Stromstoß eines Defibrillators (siehe Kasten).

„Bei Kammerflimmern entscheiden die ersten vier Minuten über Leben und Tod“, sagt Sonja Stolle, Ausbildungsleiterin des Ortsverbandes Oldenburg der Johanniter-Unfallhilfe. Wenn ein Defibrillator in der Nähe sei, könnten 60 Prozent der Patienten Herzkammerflimmern überleben. Ohne die Geräte liegen die Chancen bei acht Prozent.

Deshalb setzen sich die Johanniter im Auftrag des Arbeitskreises Rettungsdienste für ein dichtes Netz von Defibrillatoren in Oldenburg ein. 40 Geräte sind seit Anfang 2006 in der Stadt in Geschäften, bei Firmen und Behörden stationiert worden.

„Wir vermuten, dass schon viel mehr Defibrillatoren in Oldenburg im Einsatz sind“, sagt Sonja Stolle. Das Problem: Die Rettungskräfte wissen nichts davon. „Stellen Sie sich vor, vor einer Fabrik bricht jemand zusammen. Die Firma hat sogar einen Defibrillator, aber der ist bei der Notrufzentrale nicht erfasst“, beschreibt Sonja Stolle. So verstreichen wertvolle Minuten bis zum Eintreffen des Arztes – obwohl ein Gerät in der Nähe ist, das helfen kann.


Hartmut Apeler, der in der Liebfrauenschule zusammengebrochen war, hat Glück gehabt: nach nur einem Stromstoß war er wieder ansprechbar. „Ich wollte erst gar nicht ins Krankenhaus. Aber der Notarzt hat darauf bestanden.“ Sechs Tage hat Apeler im Klinikum gelegen.

Das Gerät, dass ihn zurück ins Leben geholt hat, hat Apothekerin Doris Langer gestiftet – vier Wochen, bevor Apeler umgekippt ist: „Ich finde, nicht nur an den Schulen sollten Defibrillatoren angeschafft werden“, sagt sie.

„Kammerflimmern kann jeden treffen, jederzeit“, sagt Sonja Stolle. 130 000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr daran. Deshalb bitten die Johanniter Firmen und Privatpersonen, ihre Defibrillatoren registrieren zu lassen. Sonja Stolle nimmt die Meldungen entgegen unter Tel. 971 90 25.