Oldenburg - Wer in diesen Tagen hektisch in dem Schuhkarton mit den zerknüllten Quittungen wühlt, kann durchatmen. Denn die Steuererklärung muss gar nicht bis Ende Mai abgegeben werden. Darauf weist das Finanzamt Oldenburg hin.

Da vor allem die Steuerberater mehr Zeit eingefordert haben, ist deren Stichtag um zwei Monate nach hinten auf den 29. Februar 2020 verschoben worden. Im gleichen Zug gilt für jeden, der seine Steuererklärung selbst bearbeitet, der 31. Juli als neuer letzter Abgabetag.

Die gesetzliche Regelung sieht allerdings auch vor, dass „die Schrauben für Konsequenzen angezogen wurden“, sagt Finanzamtssprecher Christian Kläne. Heißt: Das Verfahren bei Versäumnis wurde automatisiert. Entschied bislang noch ein Finanzbeamter, ob gleich ein Verspätungszuschlag fällig wird, oder ob es zunächst nur eine schriftliche Erinnerung gibt, geht nun der Computer bei allen gleich vor. Wird die Frist unentschuldigt versäumt, werden automatisch mindestens 25 Euro pro angefangenem verspäteten Monat Verspätungszuschlag fällig. Die genaue Höhe hängt vom Einzelfall ab. Als Maximum sind theoretisch 25 000 Euro Zuschlag möglich.

Zahlen aus dem Finanzamt

Das Steueraufkommen im Finanzamt Oldenburg betrug im vergangenen Jahr 1 796 547 000 Euro. Es lag damit etwas höher als 2017 (1 706 449 000 Euro). Größer war das Aufkommen lediglich in den Finanzämtern Hannover-Nord und Osnabrück-Stadt.

Zuständig ist das Oldenburger Finanzamt bei der Einkommensteuer für die Stadt sowie für die Gemeinden Hatten und Wardenburg.

Mehr als 40 000 Arbeitnehmer werden veranlagt. Dazu kommen 25 000 weitere Einkommensteuerfälle, 6000 Gesellschaften, 700 Landwirte und 7000 Arbeitgeber.

Digitalisierung und Automatisierung sind ohnehin derzeit wichtige Themen bei der Behörde. Das System bietet die Möglichkeit, Erklärungen zu bearbeiten, ohne dass noch ein Mensch involviert ist. Diese Art der Verarbeitung funktioniert derzeit nur bei wenigen Prozent der eingereichten Fälle. Die Zielformulierung lautet aber, diese bis 2020 deutlich zu steigern. „Richtung die Hälfte“, sagt Kläne.

Darum arbeitet das Amt inzwischen auch weitgehend papierlos, allerdings mit der Folge, dass bei einem Ausfall des zentralen Rechenzentrums in Rostock, wie am Dienstag, die Arbeit nahezu eingestellt werden muss. Ohnehin funktioniert die deutschlandweit eingesetzte EDV nicht immer stabil, dadurch gerät die Bearbeitung immer wieder ins Stocken. „Seit zwei Jahren funktioniert sie nicht fehlerfrei“, monierte Finanzamtsleiter German Unland. Aber er hofft, dass die Kinderkrankheiten bald ausgemerzt sind.

Davon abgesehen nutzen die Steuerpflichtigen gerne die Möglichkeit der digitalen Abgabe, nämlich laut Kläne rund 70 Prozent der Arbeitnehmer. Für Unmut sorge dann aber oftmals die Nachforderung von Belegen, auf deren weitgehenden Verzicht eigentlich immer wieder hingewiesen wird. „Das liegt häufig am Risikomanagementsystem. Wenn das Belege einfordert, müssen die Mitarbeiter reagieren“, erklärt Kläne. Er spricht von einer „Übergangszeit“, in der das noch relativ häufig passieren werde. Darum sei es wichtig, Belege weiterhin aufzubewahren.


Zufrieden sind die Finanzbeamten weiterhin mit der reinen Gebäudesituation im Übergangsbau am Stubbenweg. Der Standort allerdings so weit abseits vom Zentrum sei nicht ideal. Das zeige schon der Rückgang der persönlichen Kundenkontakte von 25 000 pro Jahr im alten Amt an der 91er-Straße auf 12 000 in Etzhorn (wobei die digitale Steuererklärung auch einen Teil dazu beitragen dürfte). Gespannt verfolgen die Mitarbeiter des Oldenburger Finanzamts daher die Bauentwicklungen in und um den Stadtkern, zum Beispiel das EWE-Areal am Bahnhof. Die Entscheidung über eine mögliche neue Bleibe wird allerdings im Finanzministerium in Hannover getroffen.

Patrick Buck
Patrick Buck Redaktion Oldenburg (Stv. Leitung)