OLDENBURG - Haben Sie Vertrauen zu Ihrem Bankberater oder Finanzmakler? Die Antwort auf diese Frage liegt in der Regel im persönlichen Bereich; „Chemie“ und Erfahrungen bestimmen die Einschätzung. Einige Finanzmarkt-Experten schürfen tiefer und nehmen die Finanzkrise zum Anlass, die Systemfrage zu stellen. Sie lautet: Wenn Berater Vertriebsziele und Provisionen im Blick haben – können Sie dann im Sinne des Kunden beraten?
Nein, meinen die Vertreter einer in Deutschland noch recht selten vertretenen Sparte der Finanzbranche: die Honorarberater. In Oldenburg halten Ingrid Otten und Christoph Schließke die Fahne der bundesweit etwa 300 Berufskollegen hoch. Die beiden haben 2008 ihr Unternehmen „Finanzplanung Oldenburg“ (FPO) gegründet – und lassen sich für ihre Beratung vom Kunden bezahlen.
Zahlen für Beratung? „Das ist die einzig transparente Lösung“, sagt Schließke. Bezahlen müsse der Kunde schließlich auch bei herkömmlichen Modellen: Ausgabeaufschläge für Fonds, Provisionen bei Versicherungen – das falle nicht immer sofort ins Auge, und wenn, „ist das oft nur die Spitze des Eisbergs“. Zudem seien Honorarberater nicht konzernabhängig – was bedeute, dass man eben nicht (wie vielfach bei Banken) nur eigene Produkte aus der Finanzwelt anbiete, sondern alles, was am Markt sei. Das halten zwar auch Finanzmakler so (die von Provisionen leben und dem Kunden nichts berechnen); für Honorarberater gebe es aber eine besondere Einschränkung: „Entscheidend ist, ob es Honorartarife gibt“, sagt Schließke. Im Klartext: nur Fondsgesellschaften oder Versicherungen, die Tarife ohne Provisionen und Ausgabeaufschläge anbieten, kommen in die Wahl. Beide sprechen aus Erfahrung, waren zuvor jahrelang bei Banken tätig. Dort nehme der Druck zu: „Es zählen oft nur Zuwächse beim Vertrieb, nicht
individuelle Beratung.“
Allerdings: Honorarberatung hat ihren Preis. „Wir haben Privatpersonen mit einem freien Vermögen ab 100 000 Euro aufwärts im Auge“, sagt Ingrid Otten. Honorarberater verstehen sich als Partner bei der persönlichen Vermögensplanung. Das erledigt Ingrid Otten zusätzlich auch für Unternehmen.
Die Qualitätsstandards seien nicht nur Selbstverpflichtung, sie würden vom Bundesverband der Honorarberater überprüft, „und aufsichtsrechtlich werden wir behandelt wie eine Bank“.
Der finanzpolitische Sprecher der Grünen sieht die Honorarberatung sogar als Vorbild für die Banken: „Bankkunden“, sagte Gerhard Schick dem Handelsblatt, „müssen lernen, dass sie für Dienstleistungen bezahlen.“
