OLDENBURG - Betreiber und Errichter von Offhore-Windparks wollen Meeressäuger beim Bau von Windkraftanlagen künftig besser vor Schallemissionen schützen. Dafür haben acht Unternehmen, darunter aus dem Nordwesten der Oldenburger Versorger EWE und der Emder Windanlagenbauer Bard Engineering, das Forschungsprogramm ESRA vereinbart. ESRA (Evaluation von Systemen zur Rammschallminderung an einem Offshore-Testpfahl) soll Methoden zur Schallminderung auf ihre Wirksamkeit hin erforschen und weiterentwickeln. Dies teilten die beteiligten Firmen am Dienstag mit.

Bei einem Offshore-Feldversuch sollen voraussichtlich im August insgesamt fünf unterschiedliche Verfahren in der Ostsee vor Travemünde getestet werden. Zuvor muss das Institut für Technische und Angewandte Physik (ITAP) in Oldenburg in Abstimmung mit dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) noch ein geeignetes Schall-Messkonzept erarbeiten.

Im Gegensatz zu anderen europäischen Staaten werden die Anlagen in Deutschland weit vor den Küsten in großer Wassertiefe errichtet. Die Gründungskörper müssen mit Stahlrammpfählen im Boden verankert werden. Der dabei entstehende Schall soll künftig reduziert werden, um vor allem die Schweinswale während der Bauarbeiten besser zu schützen. Wirksame Maßnahmen zur Rammschallminderung existieren nach Angaben der Projektpartner bislang noch nicht, da es sich um eine deutsche Besonderheit handelt. In anderen europäischen Ländern, die bereits in größerem Umfang Offshore-Windparks errichtet haben, ist es demnach für die Genehmigung ausreichend, die Meeressäuger unter anderem über Sonar-Bojen kurzfristig fernzuhalten.

Die Ergebnisse der Tests sollen der gesamten deutschen Offshore-Industrie zugänglich gemacht werden. Die Kosten für das Programm betragen rund 3,9 Millionen Euro. Sie werden zu gleichen Teilen von den Unternehmen Bard, Dong Energy, EnBW Erneuerbare Energien, Eon Climate Renewables, EWE, RWE Innogy, Stadtwerke München und Vattenfall getragen.

Jörg Schürmeyer
Jörg Schürmeyer Thementeam Wirtschaft