OLDENBURG - Experten sind sich einig: Für Unternehmen wird es immer wichtiger, Fachkräfte zu halten oder neue zu gewinnen. Probates Mittel war bislang oft ein gutes Gehalt. Möglich, dass das bei den Besten des Nachwuchses nicht mehr verfängt: „Die Frage, wie sich Familie und Beruf verbinden lassen, wird eines der entscheidenden Kriterien bei der Entscheidung für einen Arbeitgeber“, weiß Rita Forst, Personalreferentin bei der Landessparkasse (LzO).
So sieht es auch Renate Eriksen von der Unternehmensgruppe Eriksen: „Irgendwann schauen Mitarbeiter hauptsächlich darauf, ob das soziale Umfeld stimmt.“ Die Gruppe mit 150 Beschäftigten (tätig in den Bereichen erneuerbare Energien, Bau und Finanzen) hat daraus Konsequenzen gezogen. Seit einigen Wochen verfügt sie über eine eigene Tagesbetreuungseinrichtung an der Gottorpstraße mit zehn Plätzen, die vorrangig Kindern (im Alter von sechs Monaten bis sechs Jahren) von Beschäftigten offensteht. Sie wird an diesem Freitag auch offiziell eröffnet – „nah an den Arbeitsplätzen, das war uns wichtig“, sagt Renate Eriksen. Und: „Um unsere Mitarbeiter zu halten, müssen sie sich wohlfühlen. Wir wollen, dass sie etwas schaffen und leisten für das Unternehmen – insofern ist das Engagement auch ein wenig egoistisch.“
Dennoch sei eine solche Entscheidung für ein mittelständisches Unternehmen nicht leicht: „Das sind erhebliche Kosten“, sagt Eriksen. Deswegen sind jene Plätze, die nicht von Betriebsangehörigen belegt werden, u.a. für andere Unternehmen offen. Die Kosten werden gedrittelt zwischen Stadt, Eltern und Unternehmen. Orientiert hat sich die Eriksen-Gruppe an einem Projekt des Chemie- und Glasspezialisten Büfa, der mit seiner „Büfa-Kids-Gruppe“ ebenfalls mit eigenen Räumen und eigenem Personal die gleichen Ziele verfolgt. Büfa hat für seine familienfreundliche Firmenpolitik u.a. den Oldenburger Preis „Olly“ erhalten – und nun als praktisches Vorbild gedient.
Ebenfalls ganz vorne bei diesem Thema ist der EWE-Konzern, der allerdings in einer ganz anderen Liga spielt: Die konzerneigene Biberburg hat 90 Plätze und Öffnungszeiten, die es ermöglichen, dass Mitarbeiter mit flexiblen Arbeitszeiten ihren Nachwuchs betreuen lassen.
Doch es gibt auch Konzepte, die ohne eigene Einrichtungen funktionieren. Wie etwa bei der LzO: Dort können Mitarbeiterkinder mit ihren Eltern in der Kantine essen, und es gibt eine Hausaufgabenbetreuung; zudem können Eltern auf Kosten ihres Arbeitgebers die Expertise der Arbeiterwohlfahrt nutzen, um passgenaue Betreuungsplätze zu finden. Die Bremer Landesbank ist Mitglied im Verein „Postkrümel“, der eine Kita betreibt,und prüft derzeit die Beteiligung an anderen Betriebskindergärten.
Das Klinikum Oldenburg hat für eine bessere Betreuung der Mitarbeiter tief in die Kasse gegriffen und sich mit 330 000 Euro am Ausbau der Kita Pasteurstraße beteiligt – dafür erhielt es 13 Krippen- und acht Kita-Plätze.
