OLDENBURG - Das Ritterspiel ist ein zeitintensives Hobby. Die Kostüme entstehen in Eigenarbeit.
Von Christian Te Koning
OLDENBURG - Das Gefühl einer Zeitreise durch die Jahrhunderte ereilt den Zuschauer beim Anblick des Treffens der Magnanimitas im Schlossgarten. Was aus dem Lateinischen übersetzt so viel wie „Großmut“ heißt, ist der Name der Gruppe, deren Mitglieder Spaß daran haben, das Mittelalter möglichst originalgetreu nachzuspielen. Im Speziellen dreht es sich hierbei um das Jahr 1234, das durchlebt wird. Dieses Jahr wurde ganz bewusst ausgesucht, da damals die Oldenburger Grafen den Bremer Bischof im Kreuzzug gegen die Stedinger unterstützten. Die Gruppe, die dem Deutschen Mittelalter-Ring angehört, bezieht sich damit auf einen interessanten Zeitabschnitt der Stadtgeschichte.So ein „Heerlager“ bestand aber nicht nur aus Rittern. Neben Kämpfern, Knappen und Soldaten gehörte auch ein Tross zum Lager, in dem Frauen, Geistliche, Handwerker, Gaukler und viele andere mehr mitreisten. Auch diese Gruppen sind alle in der Magnanimitas vertreten.
Die Mitglieder haben alle Spitznamen, die dem Klang nach dem Mittelalter entspringen könnten. Meist lassen sich daraus die Herkunft und der Beruf im wirklichen Leben erkennen. Auf mittelalterlichen Märkten und Lagern, wo die Gruppe ihre Auftritte hat, spricht man sich ausschließlich mit diesen fiktiven Namen an.
„Ich führe dann zum Beispiel kleinere Operationen aus, ziehe Zähne mit Zangen oder renke mit Ästen wieder Arme ein. Alles natürlich nicht echt, sondern nur zur Belustigung der Menschen“, erzählt Doktarius Schreyh (26), der im wirklichen Leben Frank Schuirman heißt, von Beruf Ergotherapeut ist und somit den Mediziner-Part in der Gruppe spielt.
Die Kostüme und Zelte entstehen dabei meistens in Eigenarbeit zu Hause. Eine Ausnahme machen die Schwerter und Helme: „Dafür haben wir in der Nähe von Oldenburg einen Plattner, der die Helme speziell für unsere Köpfe abmisst und anschließend zurecht schlägt. Die Schwerter kommen aus Tschechien“, erklärt Bastian Krause (28), Spitzname Christian von Hoppels und Ministerial der Gruppe. Im realen Leben studiert er Geschichte.
Doch die Liebe zum Detail ist zeitaufwendig. „Die Herstellung eines Kettenhemdes zum Beispiel dauert lange. Dafür schneiden wir erst kleine Industriefedern auseinander, um sie danach wieder mit zwei Zangen ineinander zu verflechten. Da kommen schon mal locker 180 Arbeitsstunden zusammen“, erzählt der Geschichtsstudent. Authentizität sei wichtig, aber nicht zwingend notwendig. Die Glaubwürdigkeit stehe mehr im Vordergrund, sagen die beiden. „Für uns ist das experimentelle Archäologie. Die Zeit nachvollziehen zu können und dabei möglichst genau zu rekonstruieren, ist unser Anliegen. Im Übrigen ist dies eine tolle Ergänzung zu meinem doch eher theoretischen Studium“, berichtet Bastian Krause.
Die Klientel der Gruppe ist bunt gemischt, und so ist jeder herzlich willkommen, der Spaß und Interesse am Mittelalter hat. Man trifft sich zum Schwertkampf oder einfach nur, um sich auszutauschen, jeden Mittwoch ab 18.30 Uhr im Schlossgarten.
Mehr Infos unter
In dieser NWZ -Serie stellen wir Menschen aus den Stadtteilen und ihre besonderen Hobbys vor.
„Ich ziehe Zähne mit Zangen und renke mit Ästen Arme ein“
Frank Schuirman
