OLDENBURG - Mediziner wollen feststellen, ob eine Chemotherapie bei bestimmten Brustkrebs-Patientinnen notwendig und sinnvoll ist. Der Gentest verbessert die Überlebenschancen allerdings nicht.

Von Hans Drunkenmölle

OLDENBURG - Das Oldenburger Pius-Hospital und die Universität Tübingen wollen in einem Forschungsprojekt einen neuen Gentest für Brustkrebs-Patientinnen erproben. Die im kommenden Jahr beginnende Studie soll – wie berichtet – anhand von Blutuntersuchungen Aufschluss darüber geben, ob bei bestimmten Brustkrebs-Erkrankungen eine begleitende Chemotherapie notwendig und sinnvoll ist.

An der Studie werden nach Angaben von Professor Dr. Rudy Leon De Wilde (Direktor der Klinik für Frauenheilkunde im Pius-Hospital) zunächst insgesamt rund 300 Frauen teilnehmen. Diese Brustkrebs-Patientinnen sind unter 55 Jahre alt, ihr Tumor misst weniger als fünf Zentimeter, und sie haben keine bösartigen Veränderungen in den Lymphknoten. In diese Kategorie fällt nach Angaben des Mediziners nur die Minderheit von etwa sieben Prozent aller hierzulande an Brustkrebs erkrankten Frauen.

Wenngleich mit dem Gentest in den USA bereits vielversprechende Ergebnisse erzielt worden seien, warnt De Wilde zusammen mit seinen Oldenburger Kollegen Dr. Burkhard Otremba und Dr. Hermann Klasen vom Vorstand des Vereins Tumorzentrums Weser-Ems nach irritierten Reaktionen aus Patientenkreisen vor ebenso frühzeitigen wie auch falschen Schlussfolgerungen und Erwartungen: „Ein Gentest kann niemals die Überlebenschance bei Brustkrebs verbessern“, betont Zentrums-Vorsitzender Otremba. Dies sei „allenfalls möglich durch geänderte therapeutische oder diagnostische Verfahren wie etwa das Mammografie-Screening, das zur Entdeckung von Karzinomen in einem frühen Stadium führen könnte“.

Das Tumorzentrum weist auch darauf hin, dass zur Anwendung des Gentests frisches Tumormaterial benötigt wird. Für die Mehrzahl der Frauen, die bereits operiert worden sind, könne der Test deshalb keinen zusätzlichen Nutzen bringen, da entsprechendes Untersuchungsmaterial nicht mehr zur Verfügung stehe.

Zum jetzigen Zeitpunkt kann nach Angaben aller drei Mediziner eine breite Anwendung des Tests außerhalb von Studien nicht empfohlen werden. Die Güte der Vorhersagewahrscheinlichkeit durch den Test sei „keinesfalls hinreichend gesichert“ hieß es. Deshalb sollten Brustkrebs-Patientinnen unter keinen Umständen eine vom Arzt empfohlene zusätzliche Chemotherapie ablehnen. „In jedem Fall sollte sich die betroffene Frau intensiv mit dem behandelnden Therapeuten beraten, welche Therapie im Individualfall angezeigt ist. Dies kann ein Gentest in keinem Fall ersetzen“, betont Krebsspezialist Otremba.

Informationen auch unter

www.tumorzentrum-weser-ems.de