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Geschäftsführer Der Softwarefirma Worldiety Zum Duell, Herr Macha!

Oldenburg - Die Controller liegen bereit, die Playstation läuft, auf dem Tisch steht ein Teller Süßigkeiten. Adrian Macha hat alles für das Duell vorbereitet. Er will sich mit mir im Spiel „Fifa“ messen, einer Fußballsimulation, in der die Spieler Teams steuern, die es auch in der Realität gibt. Es ist nicht überraschend, dass der 35-Jährige ein Videospiel gewählt hat, als wir ihn zum Duell herausfordert haben. Schließlich ist er Geschäftsführer einer Softwarefirma. Gemeinsam mit seinem Freund Torben Schinke hat er Worldiety gegründet, beide halten 50 Prozent.

Das Duell beginnt mit der Teamauswahl. Für Adrian – er bietet mir sofort das Du an – ist das eine klare Sache: Er wählt Werder Bremen. „Ich komme gebürtig aus Oberschlesien in Polen, kam aber mit fünf Jahren nach Oldenburg und bin hier aufgewachsen“, erzählt er. Seit vielen Jahren ist er daher Fan der Grün-Weißen.

Auch mit seinen Mitarbeitern ist Macha per Du, er setzt auf flache Hierarchien: „In vielen klassisch geführten Unternehmen werden Entscheidungen häufig nicht nach Kompetenzen, sondern nach Stufen und Strukturen getroffen“, sagt Macha. Dies ist für ihn nicht der richtige Weg. Seiner Meinung nach sollten die Entscheidungen von denjenigen getroffen werden, die sich in ihrem jeweiligen Bereich auskennen. „Die Entscheidungsgewalt liegt bei den jeweiligen Teams. Das hilft, eine bessere Wahl zu treffen. Wir haben zwar eine Meinung, aber auch die Einsicht, dass wir einige Dinge nicht wissen.“

Als Smartphones populär werden, entwickeln sie eine Foto-App – um mit Cewe ins Geschäft zu kommen

Als ich an der Reihe bin, wähle ich ein etwa gleichwertiges Team: den SC Freiburg. Die Partie beginnt ausgeglichen, wir kommen beide zu Chancen. Adrian erweist sich als fairer Gegner, er lobt auch gute Spielzüge von mir. Wie im echten Fußball läuft auch dieses Spiel nicht ohne Emotionen ab. Adrian und ich sind engagiert, ärgern uns über vergebene Chancen und atmen tief durch, wenn ein Ball noch abgewehrt werden konnte oder daneben ging. Kurz vor der Halbzeit erzielt Adri­an mit Rashica das 1:0. Jubelnd springt er von der Couch auf.

Macha spielt Fifa schon seit Jahren, genau wie ich. „Das Spiel wird nie langweilig. Man kann immer wieder mit Freunden zocken“, sagt er. Seine ersten Kontakte mit Computerspielen reichen allerdings schon viel weiter zurück. Macha interessierte sich früh für Software und ihre Verbesserungsmöglichkeiten. „Seit ich denken kann, arbeite ich mit Computern und habe immer geschaut, was es noch nicht gibt“, berichtet Macha.

Während seiner Schulzeit habe er beispielsweise ein „Snake“-Spiel für Taschenrechner entwickelt und an seine Mitschüler verkauft. Schon damals bewies er einen erstaunlichen Geschäftssinn. Er baute sogar eigene Geräte, um diese Spiele von einem Taschenrechner auf den anderen zu kopieren, selbst zusammen.

Nach seinem Abitur an der Liebfrauenschule 2004 stand für ihn daher direkt fest, wie es weitergehen sollte: Macha nahm ein Studium zum Diplom-Informatiker in Oldenburg auf, vergleichbar mit einem heutigen Master-Studium. Seinen heutigen Geschäftspartner Torben Schinke lernte er 2006 während an der Uni kennen. Sie hätten eine Menge Spaß bei der gemeinsamen Arbeit gehabt, berichten Macha und Schinke. 2007 ging es für Macha jedoch erst mal in die Vereinigten Staaten. „Geplant war, dass ich ein Semester an der California State University in Long Beach in Los Angeles studieren würde. Ich war dann aber bis 2009 dort und habe auch meine Diplomarbeit dort begonnen“, berichtet der Gründer.

Abgeschlossen hat er sein Studium 2009 in Oldenburg. Kurz darauf setzten er und Schinke einen Plan um, den sie bereits Ende 2008 gefasst hatten: Sie machten sich selbstständig. „Zu dieser Zeit wurden gerade Smartphones vorgestellt, der Markt für Android-Apps war damals komplett unbeleckt“, erzählt Macha. „Wir haben eine App entwickelt, mit der Nutzer physische Fotoprints direkt bestellen können.“ Auf der Suche nach einem Partner und wandten sich die beiden an Cewe. Doch sie kassierten eine Absage. Der Fotodienstleister hatte zuvor bereits mit einem Mobilfunkunternehmen Ähnliches versucht – mit mäßigem Erfolg.

Einen Rückschlag muss Macha auch in unserem Duell an der Playstation hinnehmen. Kurz nach der Halbzeitpause gelingt mir mit dem SC Freiburg der Ausgleich gegen seine Bremer, es steht 1:1. Macha lässt sich nichts anmerken. Wir drängen beide energisch auf den Siegtreffer.

Dass Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen nicht nur im Spiel, sondern auch im Geschäft dazugehören, bewiesen Macha und Schinke nach der Absage von Cewe. Sie arbeiteten weiter an ihrer App. Mit Erfolg: „Zwei Monate später wurden wir von Cewe eingeladen und beauftragt, die Software als IT-Dienstleister für das Unternehmen weiterzuentwickeln.“

Damit hatten sie ihre Geschäftsmodell gefunden. Sie wollten künftig nicht nur Apps für die Be- und Verarbeitung von Fotos entwickeln, sondern Firmen grundsätzlich bei der Entwicklung von Software unterstützen. Dazu gründeten sie 2010 Worldiety – ein Kunstwort aus den englischen Wörtern „World“ und „Society“. Es soll den Anspruch der beiden verdeutlichen, der an das berühmte Google-Motto „Don’t be evil“ erinnert: Sie wollen Produkte schaffen, die die Welt verbessern: „Uns ist es wichtig, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Wir würden keine Produkte entwickeln, von denen wir denken, dass sie der Gesellschaft schaden könnten“, sagt Macha.

Das Logo, bestehend aus den Buchstaben W, D und Y, haben beide selbst entworfen. Es ist bis heute unverändert. „Die Reaktionen darauf sind gemischt, aber eine Logo-Änderung ist mit unglaublichen Kosten verbunden. Das Geld wollen wir erstmal lieber für andere Projekte einsetzen“, erklärt Macha.

Kurz nach der Gründung arbeiteten beide noch bei sich zu Hause. Für Treffen und Besprechungen wurden jeweils abwechselnd die Wohnzimmer von Macha und Schinke in Beschlag genommen. Bereits ein Jahr später war dies aber nicht mehr machbar: „Wir haben unseren ersten Mitarbeiter eingestellt, und für meine Freundin und mich war es schwer vorstellbar, dass die Mitarbeiter regelmäßig in unser Wohnzimmer kommen“, erinnert sich Schinke. Sie entschieden sich, ein Büro im Technologie- und Gründerzen­trum Oldenburg (TGO) in Wechloy anzumieten. „Der Vorteil ist, dass wir bei Erweiterung sehr schnell Räume dazu mieten können, aber umgekehrt auch kündigen können“, berichtet Macha.

In der IT-Welt ist die Fluktuation hoch. Das Start-up bemüht sich daher besonders um die Angestellten

Heute arbeiten 40 Mitarbeiter auf rund 300 Quadratmetern, Herzstück von Worldiety ist das Großraumbüro, in dem rund 20 Mitarbeiter sitzen. Dort sind auch die Büros von Macha und Schinke, lediglich durch eine Glaswand von den Kollegen getrennt. Die Tür steht, wie schon berichtet, immer offen.

Bei der Unternehmenskultur orientiert sich Macha an dem, was er in Kalifornien kennengelernt hat. „Wir wollen uns vollumfänglich um unsere Mitarbeiter kümmern. Früher war es so, dass ein privates Problem auch privat geblieben ist, und die Mitarbeiter dies nicht mit zur Arbeit bringen durften. Unsere Teamcoaches sollen sich jedoch mit den Mitarbeitern beschäftigen und auch für private Angelegenheiten ein offenes Ohr anbieten“, sagt Macha.

Er ist überzeugt, dass sich durch einen freundschaftlichen Umgang das Leistungspotenzial der Mitarbeiter erhöht. Die Arbeitszeiten sind zudem flexibel gestaltbar, neben dem Job bietet Worldiety viele Aktivitäten wie eine vergünstigte Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio sowie gemeinsames Badmintonspielen an. „Beim Kramermarkt oder Stadtfest haben wir ebenfalls zusammen etwas unternommen“, sagt Schinke.

Um den Mitarbeitern gerecht zu werden, haben die Geschäftsführer zudem die Strukturen überarbeitet: „Bei 40 Mitarbeitern ist es als Geschäftsführer nicht mehr möglich, mit jedem das Jahresgespräch zu führen. Deshalb greifen wir auf unsere Teamcoaches zurück, wobei jeder Coach maximal acht Mitarbeiter leitet sowie betreut“, erklärt Macha. In Besprechungen ist es ihm wichtig, sein Feedback immer zu begründen. „Wenn ein Mitarbeiter bei mir in der Tür steht und ich gerade keine Zeit habe, sage ich dies auch, bevor ich ihn mit einem unbegründeten Lob zurückschicke“, sagt er. Das Konzept funktioniere gut: „In der IT-Branche ist die Fluktuation der Mitarbeiter sehr hoch, uns haben in all den Jahren jedoch nur drei Mitarbeiter verlassen“, sagt Schinke stolz.

Das Unternehmen hat sich auf vier Bereiche spezialisiert. Der erste umfasst die Softwareentwicklung für mobile Geräte wie Smartphones und Tablets, der zweite beschäftigt sich mit Web-Applikationen. „Zudem kümmern wir uns um große Anwendungen für eine Cloud, die die Serverlast automatisch auf mehrere PCs verteilt“, sagt Macha. Zu guter Letzt entwickelt Worldiety Software für den Bereich E-Commerce, richtet also Webshops auf die spezifischen Bedürfnisse der jeweiligen Zielgruppe der Unternehmen ein. „Unser Ziel ist es, die Software an die Prozesse des Unternehmens anzupassen. Dabei streben wir immer eine dauerhafte Partnerschaft an. Die Vision ist, durch Digitalisierung eine zukunftsfähige Gesellschaft zu schaffen, in der wir nachhaltige Partnerschaften mit unseren Kunden führen“, sagt Macha. Ziel sei, die Bedienbarkeit der Oberfläche und das Nutzererlebnis zu verbessern.

Die Software sei besonders wichtig, erklärt Macha: „Die Hardware kann häufig nicht mehr oder nur wenig verbessert werden. Das Potenzial, um Prozesse zu optimieren, ist bei der Software viel größer.“ Worldiety arbeitet heute noch mit Cewe zusammen, dazu sind viele Unternehmen aus der Umgebung gekommen, wie etwa Bruns Pflanzen sowie Chembid und IHR.

In ihren neun Jahren als Geschäftsführer von Worldiety hätten die beiden die Entscheidung, ein Unternehmen zu gründen, nie bereut, versichern Macha und Schinke. Im Gegenteil: „Die Gründerzahlen sind in Deutschland zurzeit leider rückläufig. Wir können aber nur empfehlen, sich selbstständig zu machen, und unterstützen auch Gründerinnen und Gründer mit Kapital oder stehen ihnen beratend zur Seite“, sagt Macha

An der Playstation tut sich in der regulären Spielzeit nichts mehr, die Partie geht beim Stand von 1:1 in die Verlängerung. Wieder ist es Macha, der zunächst das glücklichere Händchen hat: Er geht mit 2:1 in Führung. Und diesmal rettet er das Ergebnis über die Zeit. Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen gehören für Unternehmer eben dazu.

Nils Coordes
Nils Coordes Online-Redaktion
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