Oldenburg - Als „Auslaufmodell“ hat die Boston Consulting Group (BCG) die aktuelle Führungsstruktur des in die Krise geratenen Klinikums Oldenburg bezeichnet. Die Unternehmensberater zielen damit auf die Geschäftsführung mit nur einem Vorstand an der Spitze. In Oldenburg ist das seit 2012 Dr. Dirk Tenzer.
In ihrem im Auftrag der Stadt erstellten Gutachten „Entwicklungsoptionen der Klinikum Oldenburg AöR“ verweisen die BCG-Prüfer dabei auf eine Studie der Universität Marburg, laut der die durchschnittliche Vorstandsgröße von Krankenhäusern bei drei bis vier Personen liege. Zwar würde noch mehr als ein Viertel der kommunalen Häuser von einem Geschäftsführer allein geführt, im Vergleich mit den 33 deutschen Universitätskliniken bilde das Klinikum Oldenburg aber „eine absolute Ausnahme“.
Die Gutachter empfehlen deshalb, in Oldenburg ebenfalls einen mehrköpfigen Vorstand einzurichten, bestehend zumindest aus einem medizinischen und einem kaufmännischen Geschäftsführer. Außerdem sollten Forschung und Lehre, also die Universitätsmedizin, im Vorstand abgebildet werden. Sprich: BCG rät zu einer dreiköpfigen Spitze.
Darüber hinaus könne dem Vorstandsvorsitzenden „in wirtschaftlich kritischen Phasen“ ein Restrukturierungsmanager zur Seite gestellt werden mit besonderen Kompetenzen, kurz: Es geht kurzfristig um einen Sanierer.
„Mehr Fachkenntnis“
Was sagen die Ratsfraktionen zu diesen Vorschlägen? Und was würde eine Aufstockung des Vorstands für den derzeitigen alleinigen Vorstand Dirk Tenzer bedeuten, dessen Vertrag erst vor Monaten verlängert wurde?
Für die Gruppe Linke/Piraten steht fest: Es muss mit Tenzer weitergehen, auch wenn der Vorstand erweitert wird. Tenzer sei an der Vorauswahl weiterer Vorstandsmitglieder zu beteiligen, „es darf kein Konfliktvorstand gebildet werden. Im neuen Vorstand muss die Chemie zwischen den Beteiligten stimmen“, heißt es in einer Mitteilung für die Presse.
Unabhängig von der Person Tenzer äußert sich die FDP-Fraktion und begrüßt die Empfehlung des Gutachtens, die laufenden Geschäfte des Klinikums durch einen dreiköpfigen Vorstand führen zu lassen. Diese Struktur sei der „Komplexität der Aufgaben“ angemessen, insbesondere angesichts der Weiterentwicklung der European Medical School mit dem Ausbau der klinischen Forschung.
Die SPD-Fraktion unterstützt die Idee, dem Vorstand einen Sanierer an die Seite zu stellen. Die Vorstandsstruktur solle an die „Bedürfnisse der European Medical School angepasst werden“, heißt es weiter. Wie dies möglich sei, müsse „geprüft“ werden.
Die Fraktion Bündnis 90/Grüne will das Thema Klinikum kommenden Dienstag erneut beraten. „Die Fragen sind sehr komplex; wir haben uns noch keine Meinung gebildet“, sagte Fraktionssprecher Sebastian Beer.
Die CDU befasst sich in der nächsten Woche mit dem Gutachten.
Neben den Vorstand nimmt die FDP-Fraktion auch das Aufsichtsgremium des Klinikums in den Blick, den Verwaltungsrat. Dort sollten „stärker als bisher Personen mit Fachkenntnissen einziehen“. Die Probleme des Klinikums seien „nicht zuletzt in der Tatsache begründet, dass das Aufsichtsgremium von sachfremden Personen dominiert wird“.
Bislang ist der Verwaltungsrat zu zwei Dritteln mit Ratsmitgliedern besetzt. Die FDP ist nicht in dem Gremium vertreten.
Im BCG-Gutachten ist der Verwaltungsrat kein Thema.
Die AfD macht eine „starke Politisierung von Betriebsentscheidungen“ für „viele Probleme des Klinikums“ verantwortlich. Ein „Hineinregieren der Politik“ sei verfehlt.
Ein neuer Träger?
Die Fraktion WFO-LKR wirft unterdessen die Grundsatzfrage der städtischen Trägerschaft auf. Die Stadt habe nicht die Mittel zum „Erhalt und Ausbau einer wirklich namhaften medizinischen Fakultät“, heißt es in einer Mitteilung. Eine Privatisierung des Klinikums wird allerdings von Oberbürgermeister Jürgen Krogmann kategorisch ausgeschlossen.
Die BCG-Gutachter empfehlen mit Blick auf die Weiterentwicklung der Universitätsmedizin, einen Wechsel der Trägerschaft aufs Land Niedersachsen „stets im Blick“ zu halten. Allerdings gebe es aktuell kein Übernahme-Interesse des Landes.
