OLDENBURG - OLDENBURG/DRU - Der frühere Oldenburger DGB-Kreisvorsitzende Erwin Fritzsche (Foto) ist kurz vor Vollendung seines 100. Lebensjahres gestorben. In ihm verliere die Gewerkschaftsbewegung einen engagierten Kollegen, der sich mutig für die Interessen der Arbeitnehmer eingesetzt habe, sagte der amtierende DGB-Chef Manfred Klöpper in Oldenburg. Fritzsches antifaschistisches Denken und sein Einsatz für die Bildung seien dem DGB „Verpflichtung für die Zukunft“.
Der Buchdrucker und Schriftsetzer Fritzsche aus Freiberg (Sachsen) war 1929 nach Oldenburg gekommen. Als Nazi-Gegner wurde er 1933 ein halbes Jahr eingesperrt, weil er sich auf Flugblättern gegen die Vereinnahmung des 1. Mai durch die Nazis gewandt hatte. Als am 1. Mai 1946 die Gewerkschaften wiederbegründet wurden, war Fritzsche ihr erster Sekretär; DGB-Kreisvorsitzender blieb er bis 1972.
Wie nur wenige Gewerkschaftsfunktionäre erkannte Fritzsche den Stellenwert der Bildung für Arbeitnehmer. Er stand u.a. bei Aufbau der Bildungsvereinigung „Arbeit und Leben“ Pate und zählte zu den Mitbegründern der Volkshochschule Oldenburg. Dass die Oldenburger Universität als erste deutsche Hochschule einen Kooperationsvertrag mit dem DGB schloss, ist seinem Engagement zu danken. Die Universität hatte den „verlässlichen Freund“ 1993 zum „Ehrenbürger“ ernannt.
