OLDENBURG - Ein Risiko sei der hohe Kapitalbedarf – gerade bei Biogas. Zudem fehle es an Erfahrungswerten.
Von Jörg Schürmeyer
OLDENBURG - „Bei der Erzeugung von Bioenergie herrscht unter den Landwirten zurzeit eine Goldgräberstimmung“, sagte Fritz Stegen, Präsident der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen, zum Auftakt des 7. Unternehmertages der Kammer und der Volksbanken Raiffeisenbanken Weser-Ems am Dienstag vor rund 1000 Zuhörern in Oldenburg. Tatsächlich biete die Energieerzeugung Landwirten zurzeit viele Chancen, so der einhellige Tenor der Referenten. Wegen hoher Investitionssummen und der geringen Erfahrungswerte berge ein Einstieg immer auch gewisse Risiken und müsse wohl überlegt sein.Christoph Gers-Grapperhaus von der LWK Niedersachsen wies auf die breite Palette der Möglichkeiten zur Erzeugung von Bioenergie hin. Grundsätzlich sei zu unterscheiden zwischen der Erzeugung von Strom, Wärmeerzeugung sowie einer Kombination aus beidem. Jeder Betrieb müsse sich bei einem Einstieg in die Bioenergie-Erzeugung genau überlegen, welche Form den eigenen betrieblichen Ansprüchen am besten gerecht werde.
Peter Spandau von der LWK Nordrhein-Westfalen stellte erneuerbare Energien der klassischen Betriebsentwicklung gegenüber. Aus seiner Sicht sei ein Ausweichen in die erneuerbaren Energien nur begrenzt möglich, da sich aus wirtschaftlicher Sicht einzig Biogas rentiere. Allerdings stelle hier die Gärresteentsorgung ein Problem dar. Wie bei klassischen Betrieben, die sich immer stärker Richtung Veredlung orientieren, zeige sich auch bei den erneuerbaren Energien, dass „nur noch deutlich überdurchschnittliche Unternehmer Aussicht auf wirtschaftlichen Erfolg haben“, so Spandau.
Dr. Carsten Traupe von der DZ Bank Hannover wies darauf hin, dass der Bereich erneuerbare Energien durchaus interessante Investitionsmöglichkeiten für Landwirte biete. „Sie sind aber herkömmlichen landwirtschaftlichen Investitionen nicht grundsätzlich überlegen und teilweise mit erhöhten Risiken verbunden“, so Traupe. Gründe seien u.a. geringeres Branchen-Know-how und höherer Kapitalbedarf.
Dr. Yelto Zimmer von der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft mahnte eine kritische Bestandsaufnahme bei der Bioenergieproduktion an. So habe die in den vergangenen Jahren seitens der Politik ausgeweitete Subventionierung der heimischen Bioenergie-Produktion zu einer Verschiebung im Agrarbereich zu Lasten der Nahrungsmittelproduktion geführt.
