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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

„Spiel, bei dem niemand gewinnt“

13.11.2019

Oldenburg Das Weser-Ems-Gebiet gehört zu den Regionen in Deutschland, die allein schon aufgrund ihrer geografischen Lage von einem Brexit besonders betroffen wären. Insgesamt bewegten sich die Konsequenzen für Deutschland, gerade auch im Vergleich zu Großbritannien, aber in einem „überschaubaren Bereich“, sagte Dr. Christian Bluth von der Bertelsmann-Stiftung am Dienstag beim „Wirtschaftstag Oldenburg – United Kingdom“ im Oldenburger Schloss.

Bluth sprach mit Blick auf den Brexit von einem „Lose-Lose-Game“, zu Deutsch einem Spiel, „bei dem niemand gewinnt“. Doch während nach Berechnungen der Bertelsmann-Stiftung auf die Briten Einkommensverluste von in Schnitt drei Prozent zukommen könnten, seien es hierzulande nur etwa 0,17 bis 0,19 Prozent oder umgerechnet im Schnitt etwa 110 bis 115 Euro pro Kopf.

Skeptisch zeigten sich sowohl Bluth als auch Dr. Birgit Bujard, Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Online-Forschung, was die Pläne der britischen Regierung angeht, nach einem angestrebten Brexit zum 31. Januar 2020 bis Ende Dezember 2020 auch ein umfassendes Handelsabkommen auf den Weg zu bringen. Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigten, dass so etwas eher drei bis vier Jahre dauern könnte.

Dr. Christian Friege, Vorstandschef des Oldenburger Fotodienstleisters Cewe, bezeichnete einen Austritt Großbritanniens aus der EU als „ein Grauen“. Cewe ist in 26 europäischen Ländern aktiv, auch mit einer Produktionsstätte in Großbritannien.

Als größte Probleme eines bevorstehenden Brexits nannte er die Unsicherheit („Unsicherheit ist das größte Gift für Unternehmen“) und die zu erwartende Zollgrenze. Denn sie wirke sich negativ auf Lieferverlässlichkeit und -pünktlichkeit aus. Könne man heute mit einer Auslieferzeit von einem Tag nach Großbritannien planen, dürften es in der Post-Brexit-Zeit eher zwei, drei oder mehr Tage sein. Cewe reagiere darauf etwa mit einer Aufstockung der Lagerbestände in Großbritannien.

Denn klar sei auch, dass das Unternehmen auch künftig in Großbritannien vertreten bleiben werde und diese Präsenz eher noch ausbauen werde. „Aus unserer Sicht wird Großbritannien auch in Zukunft Teil von Europa sein“, sagte Friege.

In der anschließenden Podiumsdiskussion sagte Lutz Neugebauer, Vorsitzender der Geschäftsführung beim Flugzeugbau-Ausrüster Broetje-Automation (Rastede), dass man in seiner Branche die Auswirkungen eines Brexits deutlich zu spüren bekommen werde. Auch bei wichtigen Kunden wie Airbus sei eine „gewisse Verunsicherung“ zu spüren. Eine „große Unsicherheit“ gebe es vor allem in der Frage, wies es nach einem Brexit mit den Mitarbeitern vor Ort weitergehe.

Auch Nikolaus Schadeck von der British Chamber of Commerce in Germany geht von „Verwerfungen“ aus. Er sieht, etwa wegen des schwachen britischen Pfunds, aber auch Chancen für deutsche Firmen zu investieren. Denn eines sei auch noch einem möglichen Brexit klar: „Großbritannien wird eine starker Partner bleiben.“

Jörg Schürmeyer Redakteur / Wirtschaftsredaktion
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