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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Das bedeutet ein Brexit für regionale Unternehmen

03.02.2018

Oldenburg Großbritannien möchte aus der Europäischen Union austreten. Bis es so weit ist, sind allerdings noch viele Fragen zu klären. Was bedeutet ein Brexit für die Region? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Welche Auswirkungen hat ein harter Brexit?

Die Expertin: Fachanwältin Susanne Franke

Ein harter Brexit führt zu einer Position des Vereinigten Königreichs als Drittstaat im Verhältnis zu den EU-Mitgliedern, sagt Susanne Franke, Fachanwältin für Handels- und Gesellschaftsrecht aus Oldenburg. Das bedeutet, dass es für die Tätigkeit in einem anderen Land unter anderem einer Arbeitserlaubnis und der Regelung der Zölle auf Waren und Dienstleistungen bedarf. Scheidet Großbritannien vollständig, ohne weitergehende vertragliche Bindungen aus der EU aus, unterliegen die Wareneinfuhren aus dem Vereinigten Königreich einem Drittlandzollsatz. Umgekehrt erhebt Großbritannien Einfuhrzölle auf alle Waren aus den verbleibenden EU-Mitgliedstaaten. Aktuell liegen die Zölle der EU gegenüber Drittstaaten durchschnittlich bei etwa fünf Prozent, erklärt Franke. Für die Einfuhr von Autos erhebt die EU aktuell einen Zoll in Höhe von zehn Prozent.

Über die Expertin

Susanne Franke ist Fachanwältin für Erbrecht und für Handels- und Gesellschaftsrecht. Sie arbeitet in Oldenburg und Hamburg. Seit 2003 schreibt sie für Fachbuchverlage über internationales Recht, Gesellschaftsrecht, Handelsrecht und Erbecht.

Welche Auswirkungen hat ein weicher Brexit?

Ein weicher Brexit erlaubt dagegen eine Angliederung an die Europäische Union wie es bei Norwegen der Fall ist. Norwegen hat den Zugang zum Binnenmarkt, ohne Mitglied in der EU zu sein, muss aber dafür Beiträge an den EU-Haushalt leisten.

Was sind die Vorteile des EU-internen Handels?

Der innergemeinschaftliche Handel erlaubt vor allem zwischen allen Mitgliedstaaten den zollfreien Handel von sämtlichen Waren aus der Union, erklärt Franke. Daher bedarf es keines administrativen Aufwandes für den Versand einschließlich des vollständigen Entfallens einer zollamtlichen Überwachung. Das ermöglicht laut Franke nicht nur den zollfreien Verkehr von einem EU-Land in ein anderes, sondern auch die freie Zirkulation innerhalb der EU-Länder. Zusätzlich gibt es Sonderregelungen und Vereinfachungen für Umsatz- und Verbrauchssteuern.

Wie sieht es beim Handel mit einem Drittland aus?

Beim Handel mit einem Drittland kommt es laut Franke zu einem zollrechtlichen Einfuhrverfahren. Erforderlich sei dann nicht nur die Zahlung der Zölle, die erhoben werden, sondern auch die Beachtung etwaiger Zollkontingente, die Einholung möglicher Einfuhrgenehmigungen und die dafür erforderlichen personellen und zeitlichen Aufwände – einschließlich der Verzögerungen im Transport durch die Grenzkontrollen, erklärt Franke. Allerdings haben sich die Briten klar dahingehend positioniert, dass sie den Abschluss eines umfassenden Freihandelsabkommens beabsichtigen.

Was ist ein Freihandelsabkommen?

Ein Freihandelsabkommen ist ein völkerrechtlicher Vertrag, der den Freihandel zwischen den vertragschließenden Staaten gewährleisten soll. Die Vertragspartner verzichten untereinander auf Handelshemmnisse. Gegenüber Drittländern wird dagegen eine autonome Außenhandelspolitik betrieben.

Wie könnten sich die Zölle entwickeln?

Handelsforscher gehen derzeit davon aus, dass selbst bei gleichen Zöllen in Großbritannien und der EU die Handelseinbußen für Exporte von Deutschland in das Vereinigte Königreich bei rund einem Drittel liegen werden. Umgekehrt dürften die Einfuhren aus Großbritannien nach Deutschland um rund ein Fünftel sinken, erklärt Franke. Betroffen wäre vom Wegfall der Dienstleistungsfreiheit wahrscheinlich zunächst die Finanzbranche, sagt Franke. Betroffen sein könnten aber auch Tochtergesellschaften deutscher Unternehmen, die an ihren Standorten in Großbritannien produzieren und in den EU-Raum exportieren, erklärt Franke.

Was bedeutet das für regionale Unternehmen?

Auch Unternehmen aus dem Nordwesten, die an ihren Standorten in Großbritannien produzieren, um von dort aus ihre Waren in andere EU-Staaten zu versenden, sind laut Franke von den zu erwartenden Handelsbeschränkungen betroffen. Hiesige Unternehmen in Großbritannien, die dort nicht produzieren, aber die Kundenbetreuung für die von Deutschland aus nach Großbritannien importierte Ware gewährleisten, können ebenfalls betroffen sein, sagt die Fachanwältin. Das ist etwa dann der Fall, wenn die in Deutschland produzierten Waren aufgrund der noch ungeklärten Zölle nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Dann sei mit Handelseinbußen zu rechnen, erklärt Susanne Franke.

Gibt es noch andere Faktoren als Zölle?

Auch abweichende Produktstandards, die geprüft und beachtet werden müssen, können den Handel beschränken. Das betreffe insbesondere die Lebensmittelindustrie.

Welche Vorteile kann ein Brexit haben?

Vorteile könnte ein Brexit für Dienstleister im Bereich der Zollabwicklung bringen – aber auch für jene Unternehmen, deren Wettbewerber aus Großbritannien kommen und deren Produkte nun wegen Handelsbarrieren in den EU-Staaten nicht mehr konkurrenzfähig sind, sagt Franke.

So unterscheidet sich ein harter von einem weichen Brexit

Die Briten haben im Juni 2016 entschieden, aus der EU auszutreten. Doch ganz so einfach gestaltet sich das nicht. Es gibt mehrere Optionen, häufig ist von einem harten oder einem weichen Brexit die Rede. Doch was bedeutet das eigentlich?

Ein harter Brexit ist ein klarer Bruch mit Brüssel. Das Verhältnis von Großbritannien und den verbliebenen 27 EU-Staaten wäre vergleichbar mit der Beziehung der EU zu Kanada. EU-Bürger müssten etwa eine Arbeitserlaubnis beantragen, um in dem Land leben und arbeiten zu dürfen. Damit auf Waren und Dienstleistungen keine Zölle erhoben werden, wäre ein Freihandelsabkommen nötig. Experten rechnen damit, dass ein harter Brexit bis zu zehn Jahre dauern könnte.

Bei einem weichen Brexit könnte Großbritannien eine ähnlich enge Anbindung an die EU haben wie Norwegen. Zwar ist das Land kein Mitglied der EU, hat aber den vollen Zugang zum europäischen Binnenmarkt. Im Gegenzug muss Norwegen etwas zum EU-Haushalt beitragen, EU-Bürgern ermöglichen dort zu arbeiten und zu leben, und einen Teil der EU-Gesetzgebung übernehmen.

Das sagten Unternehmer aus der Region nach dem Brexit-Votum:

Gert Stuke, Präsident der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer, spricht angesichts des Brexit von einer „Zäsur“ in den Handelsbeziehungen. Manche Branche werde „ihr Engagement vor Ort neu bewerten“.

Der Oldenburger Händler Ulrich Zimmermann, der auf Messen in England ist und Ketten beliefert, befürchtet Zölle – statt des freien Warenaustausches. Diese könnten sich ergeben, wenn die EU zur Abschreckung „mit harter Hand“ gegenüber Britannien reagiere, es als EU-Ausland betrachte – und die Briten dann ebenfalls Zölle einführen.

Der Brexit sei auch „ein Weckruf, konstruktiver zu werden“, sagt Guido Grave, Geschäftsführer bei der Maschinenfabrik Herzog in Oldenburg. In Bezug auf Großbritannien würden die Dinge aber erst einmal „komplizierter“.

Mancher Unternehmer würde seine Geschäftsbeziehungen auf der Insel sogar „gern weiter ausbauen“ – wie Jürgen Schulze mit Starofit aus Ganderkesee.

Elke Haase vom Oldenburger Biotechnik-Unternehmen Piccoplant befürchtet, dass beim Export nach Großbritannien die von der EU „vereinfachten Regelungen im Bereich der phytosanitären Auflagen“ (Pflanzenschutz) entfallen könnten. „Wir rechnen mit reduziertem Export und längeren Wartezeiten an den Grenzen“, sagt sie auch mit Blick auf Papiere und Zölle.

„Das bedeutet, dass es für die Engländer sehr viel teurer wird, unsere Pflanzen zu importieren, und dass die in Pfund angebotenen und abzurechnenden Aufträge ebenfalls diesem Wechselkursverlust unterworfen sind“, sagt Jan-Dieter Bruns von der Baumschule Bruns in Bad Zwischenahn. Es drohten weniger Investitionen und „weniger Begrünungsmaßnahmen“.

Sten Daugaard-Hansen, Geschäftsführer bei Brötje Heizung in Rastede, hält es – bei insgesamt wenig Auswirkungen – für möglich, dass eine wichtige Komponente aus Großbritannien für die Heizkessel günstiger werde.

„Aus volkswirtschaftlicher und betriebswirtschaftlicher Sicht entsetzt“ sei er, sagt Dieter Janssen, Chef der Rolf Janssen Elektrotechnische Werke in Aurich. Er rüstet Kraftwerke oder Müllverbrennungsanlagen auf der Insel mit Schaltanlagen aus.

Mit Verteuerungen irgendwann rechnet Jürgen R. Viertelhaus, Gründer der Vierol AG in Oldenburg. Die Eliten Europas hätten versagt.

Allgemein dürften die Unwägbarkeiten zunehmen, sagt Malte Smolna, Geschäftsführer bei Cetex Rheinfaser in Ganderkesee.

Interaktive Karte: Diese Unternehmen aus dem Nordwesten haben Handelsbeziehungen mit Großbritannien

So viel handelt Niedersachsen mit den EU-Staaten: