OLDENBURG - Ein richtiger Gründer ist Hermann de Vries eigentlich nicht mehr. Bereits seit 1992 arbeitet der Ingenieur selbstständig.

Von Christian Quapp

OLDENBURG - Ein kleiner Metallarm mit einem Saugnapf bewegt sich wie von Geisterhand, erfasst eine Scheibe aus Aluminium und setzt sie in einem Plexiglasrohr ab. Egal ob ein Roboter mit einem Elektromotor, hydraulisch oder pneumatisch bewegt werden soll – mit den Anlagen von Hermann de Vries können Berufsschüler und Auszubildende Hunderte von Industrieanwendungen im Miniaturformat simulieren. Seit 1992 entwickelt und fertigt der gelernte KFZ-Mechaniker Schulungsanlagen, weist Lehrer und Meister in deren Benutzung ein und wird auch selbst als Dozent vor Lehrlingen tätig.

Seine eigene handwerkliche Ausbildung kommt ihm bei Seminaren und in der Entwicklungsarbeit entgegen: „Ich kann immer noch denken wie ein Schlosser, wenn es nötig ist“, behauptet der 48–Jährige, der sich nach seiner Ausbildung in Fachoberschule und Fachhochschule weitergebildet hat.

Nach verschiedenen Stellen bei immer neuen Arbeitgebern erkannte er 1992 seine Chance. „Nach einer Neuordnung der Lehrberufe wurden Hydraulik und Pneumatik zu Prüfungsfächern, und dafür wurden Prüfungssysteme gebraucht.“ 1998 gab es mit dem neuen Berufsbild „Mechatroniker“ einen weiteren Nachfrageschub. Für de Vries tat sich ein sicherer Absatzmarkt auf. In seinem Privathaus begann er mit der Entwicklung, die Garage wurde zur Werkstatt, von der aus bald Kunden in der ganzen Welt beliefert wurden. Mit der Erweiterung des Angebots und zunehmender Kundschaft reichte der Raum irgendwann nicht mehr aus.

„Ich habe öfter Seminare gegeben und brauchte dafür Räume, außerdem wollten mich plötzlich Kunden aus Asien besuchen, die konnte ich ja schlecht durch meine Garage führen.“ Angemessene Räume mussten her, und die fand de Vries im Jahr 2002 im Technologie- und Gründerzentrum TGO. Inzwischen arbeitet seine Firma mit einem Angestellten, bezieht Bauteile von verschiedenen Zulieferern in der Region. Er selbst kann sich so auf Entwicklung und Lehrtätigkeit konzentrieren. „In den Betrieben muss jedes Jahr eine neue Prüfungsaufgabe gestellt werden, deshalb kann aus verschiedenen Modulen immer wieder eine neue Aufgabe zusammengestellt werden.“


Ein großer Vorteil der Anlagen des Ingenieurs: Man kann sie mit Steuerungstechnik der verschiedensten Hersteller kombinieren. „Wenn eine Berufsschule so ein System vom Hersteller der Steuerungstechnik kauft, sind die Schüler oft auf die Anlagen dieses Herstellers festgelegt. Die Gefahr besteht mit meinem System nicht.“