Oldenburg - Anders als im ersten Halbjahr 2020 hat die Corona-Pandemie die EWE in den ersten sechs Monaten dieses Jahres geschäftlich kaum belastet. Wie der Oldenburger Energie- und Telekommunikationskonzern am Freitag mitteilte, stieg der Konzernumsatz im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr um 7,2 Prozent auf 3,04 Milliarden Euro (2020: 2,83 Milliarden).
Windschwache Monate
Auch der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit), also die um Sondereffekte bereinigte Kennzahl für die Leistungsfähigkeit des operativen Geschäfts, lag mit 286,8 Millionen Euro leicht über dem Vorjahreswert (281,9 Millionen Euro). „Positiv entwickelte sich auch in diesem Jahr die steigende Nachfrage nach höheren Bandbreiten im Telekommunikationsbereich“, sagt EWE-Finanzvorstand Wolfgang Mücher. „Ebenso half die Witterung in den ersten Monaten des Jahres, die kühler war als in den letzten Jahren.“ Das machte sich vor allem beim Gasabsatz bemerkbar. Ergebnisbelastend haben sich laut Mücher dagegen die windschwachen Monate im ersten Halbjahr ausgewirkt.
Erneuerbare Energien: Umsatz: 107 Mio Euro (plus 39,3 Prozent), operatives Ebit: 21,1 Mio Euro (Vorjahr: 48,9 Mio Euro)
Infrastruktur: Umsatz: 375,1 Mio Euro (plus 9,6 Prozent), operatives Ebit: 195 Mio Euro (Vorjahr: 171,1 Mio
Markt: Umsatz: 1,84 Mrd. Euro (plus 4,1 Prozent), operatives Ebit: 58,3 Mio Euro (Vorjahr: 66,5 Mio Euro)
SWB-Gruppe: Umsatz: 610,2 Mio Euro (plus 9,8 Prozent), operatives Ebit: 33,4 Mio Euro (Vorjahr: 18,4 Mio Euro)
Unterm Strich, von EWE Konzernperiodenergebnis genannt, stieg der Gewinn aufgrund von Sondereffekten im ersten Halbjahr kräftig um 109 Prozent von 135,9 Millionen auf 284,5 Millionen Euro. Ein EWE-Sprecher nannte hier als wesentlichen Faktor die „Stichtagsbewertung von Derivaten“. Oder anders ausgedrückt: Weil die Preise an den Energiebörsen zum Stichtag 30. Juni in diesem Jahr deutlich höher lagen als im Vorjahr, fiel auch die Marktbewertung der Strom- und Gashandelsgeschäfte der EWE deutlich höher aus – also ein vor allem bilanzieller Effekt. Die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei EWE stieg im ersten Halbjahr auf 9420 (Jahresende 2020: 9141).
Ob die höheren Strom- und Gaspreise an den Energiemärkten sich künftig in höheren Endkundenpreisen niederschlagen werden, ließ der EWE-Sprecher offen: „Zum jetzigen Zeitpunkt können wir noch keine Aussage treffen, wie sich die Entwicklung der preisbildenden Faktoren im Detail darstellt und auf die zukünftigen EWE-Strompreise auswirkt.“ Die Entwicklung der Strom- und Gaspreise sei von verschiedenen Faktoren abhängig – neben Beschaffungskosten vor allem von Netzentgelten und diversen gesetzlichen Abgaben und Umlagen.
Weitere Erholung erwartet
Geschäftlich ist laut EWE eine Prognose für das zweite Halbjahr mit Blick auf die weitere Entwicklung der Pandemie schwierig, dennoch gehe man von einem weiteren leichten Anstieg von Umsatz und operativem Ebit aus. „Sofern sich keine Verschärfung des Krisenszenarios durch weitere Virusmutationen oder ähnliches ergibt, rechnen wir für das zweite Halbjahr mit einer leichten, fortlaufenden Erholung“, sagte Mücher.
