OLDENBURG/HANNOVER - Die Werbung verspricht das kostenlose Telefonieren. Doch VoIP ist alles andere als kostenlos.
von Rieke hümpel
OLDENBURG/HANNOVER - Der Name klingt wie eine Krankheit, aber Internet-Telefonie ist trotzdem ein Modewort geworden. Die ersten Freaks telefonierten indes bereits Anfang der 90er-Jahre über das Internet, doch ganz störungsfrei war das damals nicht.Mittlerweile ist Voice over IP (VoIP), die Technik hinter der Internet-Telefonie, ausgereifter. „VoIP zerlegt die Sprache in Datenpakete und transportiert sie über die DSL-Datenautobahn“, sagt Urs Mansmann, Redakteur des Magazins für Computertechnik „c’t“ in Hannover. Zerlegen, verschicken und zusammensetzen gehe so schnell, dass der Andere die Sprache kaum mit Verzögerung höre.
Die Anbieter hoffen nun, die breite Masse für VoIP gewinnen zu können und werben mit Slogans wie „Weltweit für null Cent telefonieren“. Aber für wen lohnt sich Internet-Telefonie wirklich?
„Es gibt nur drei Gruppen, für die VoIP wirklich interessant ist“, so Mansmann. Zur ersten Gruppe zählten Privatpersonen, die viel mit einer bestimmten Person im Ausland telefonierten. Auch für Personen, die tagsüber sehr viel telefonieren, könnte sich VoIP lohnen. Die dritte Gruppe seien große Unternehmen.
„Die Kostenersparnis wird stark überschätzt“, erläutert Mansmann. Nur das Telefonieren zwischen zwei VoIP-Anschlüssen beim gleichen Anbieter sei kostenlos. Telefonieren vom PC zum Festnetz kostet hingegen mindestens einen Cent pro Minute, Gespräche zum Handy kosten etwa 19 Cent pro Minute. „Da ist Call-by-call kaum teurer, häufig sogar günstiger.“
Um die erforderlichen Datenmengen transportieren zu können, benötigt VoIP einen DSL-Breitbandzugang (zehn bis 17 Euro monatlich) mit „Flatrate“ (zehn bis 30 Euro monatlich zusätzlich) oder einem ausreichend bemessenen Volumentarif (fünf bis 20 Euro monatlich).
Ein DSL-Zugang ist aber momentan fast nur in Verbindung mit einem Telefonanschluss zu erhalten. „Den Grundpreis spart man also nicht“, gibt Mansmann zu bedenken. Zwar ist bei den Telekom-Konkurrenten QSC und Broadnet kein Telefonanschluss nötig, dafür aber der DSL-Anschluss teurer. Fazit: „Lohnt sich nicht.“
Kleinen Büros oder Wohngemeinschaften, die sich eine „Flatrate“ teilen, rät der Experte von VoIP ab: „Wenn auf einem anderen PC etwas aus dem Netz heruntergeladen wird, kann es zu Störungen der Gespräche kommen.“ Kommunikationsexperten könnten diese Probleme zwar lösen, doch dies rechne sich nur für große Firmen. Sinnvoller sei daher ein Gerät, das automatisch die günstigsten Call-by-Call-Nummern wählt. Diese Geräte (Least Cost Router) gibt es für Analog- (etwa 50 Euro) und ISDN-Anschlüsse (ab 100 Euro).
Was aber machen Privatpersonen, die sich für Internet-Telefonie interessieren? „Erstmal mit einem Programm wie Skype ausprobieren, ob sich die Verbindungskosten über VoIP tatsächlich reduzieren“, rät der „c’t“-Redakteur. „Skype“ könne kostenlos aus dem Internet heruntergeladen werden. Als Ausstattung reiche ein Kopfhörer mit Mikrofon, die Sprachqualität sei besser als beim normalen Telefon.
„Wer seinen Rechner nicht ständig angeschaltet lassen möchte, um über VoIP zu telefonieren, dem rate ich zur ,Fritz!Box‘. Mit diesem Gerät kann man zudem zwischen VoIP und Call-by-Call wählen.“ Die „Fritz!Box“ wird über die VoIP-Anbieter verkauft und kostet je nach Vertrag null bis 100 Euro. In dem Gehäuse sind DSL-Router, IP-Analog-Telefonadapter und Telefonanlage vereint. Neben dem PC können analoge Telefone angeschlossen werden.
