OLDENBURG/HANNOVER - OLDENBURG/HANNOVER - „Wir arbeiten bereits wie eine Kammer“, sagt Jürgen Otzen, Direktor der Landwirtschaftskammer Oldenburg. Formell werden die 2500 Mitarbeiter zwar ab Januar 2006 bei der künftig gemeinsamen „Landwirtschaftskammer Niedersachsen“ mit Sitz in Oldenburg beschäftigt sein, doch die Organisationsstruktur steht, ist größtenteils bereits ebenso wie die personelle Besetzung umgesetzt. Dabei hat, so urteilen Beobachter, die Landwirtschaftskammer Hannover eindeutig den besseren Schnitt gemacht. Manche gehen sogar so weit und befürchten für die Zeit ab 2009, wenn die neue Kammerversammlung (58 zu 42-Mehrheit für Hannover) die jetzige Versammlung (253 Mitglieder/161 aus Hannover) aufgrund des neuen Kammergesetzes ablöst, eine Rolle rückwärts und mittelfristig einen Kammersitz in Hannover. In vielen Punkten hätten sich bei den Organisations- und Personalentscheidungen die Verhandlungsführer der Kammer in Hannover, die 35 000 der 58 000 niedersächsischen
Land- und Forstwirte betreut, durchgesetzt. Beispiele:
• Den wichtigsten und personalintensivsten Geschäftsbereich Förderung führt mit Hans-Georg Hassenpflug in der Landeshauptstadt ein Hannoveraner Beamter.
• Im Geschäftsbereich Landwirtschaft konnte der hiesige Franz Jansen-Minßen nicht durchgesetzt werden, die Teilgebiete Pflanzenbau und Pflanzenschutz übernimmt mit Christian Baetge ein Hannoveraner in Hannover.
• Ähnlich dem DFB-Modell gibt es in der Übergangszeit zwei Präsidenten: den Oldenburger Friedrich Scholten (58) und Fritz Stegen (62). Geschäftsführend bis 2009 ist der mit weniger Erfahrung: Stegen führt erst seit 2000 die Kammer in Hannover.
• Der Geschäftsbereich Gartenbau ist entgegen den Vertröstungen von Otzen und der ausdrücklichen Aussage von Scholten – „dazu gibt es kein Protokoll“ – nicht nur personell mit Bernhard Beßler, dem Leiter der Lehr- und Versuchsanstalt in Ahlem, sondern auch organisatorisch zugunsten der Hannoveraner entschieden. Peter Wachter, Leiter der Pressestelle in Hannover: „Mit dem neuen Geschäftsstellenleiter ist die Entscheidung pro Hannover gefallen; eine erneute Festlegung wird es nicht geben“.
„Patchwork-Kammer“ nennt ein führender Mitarbeiter jetzt die zusammengeführte Landwirtschaftskammer. Bei der Inszenierung des „doppelten Agrar-Lottchens“ scheint die Regie in Hannover zu liegen. Scholten aber betont: „Es gibt weder Sieger noch Besiegte.“
