OLDENBURG/HANNOVER - Türken der zweiten Generation sehen ihre Wohnsituation nicht als Abschottung. Sie hat sich deutlich verbessert.
Von Thomas Hellmold
OLDENBURG/HANNOVER - Türkische Migranten der zweiten Generation haben sich „auf niedrigem Niveau“ in die deutsche Gesellschaft integriert. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Arbeitsgruppe Stadtforschung an der Universität Oldenburg. Deren Kernaussage: Eine Ausgrenzung in dem Umfang, wie er in der öffentlichen Debatte oft dargestellt wird, lässt sich nicht nachweisen. „Indizien auf eine von Medien und Teilen der Wissenschaft befürchteten Parallelgesellschaft haben sich in der von uns untersuchten Personengruppe nicht verifizieren lassen“, sagt der Oldenburger Stadtsoziologe Dr. Norbert Gestring, der gemeinsam mit Professor em. Dr. Walter Siebel die Arbeitsgruppe leitete.Befragt wurden 55 türkische Migranten der zweiten Generation – also in Deutschland aufgewachsene Türken – in Hannover sowie 41 Deutsche, die beruflich mit Migranten zu tun haben und über deren Zugang zum Arbeits- und Wohnungsmarkt entscheiden. Wenn auch die Zahl der Probanden niedrig zu sein scheint – den Soziologen ist sie hoch genug, um wenn nicht repräsentative, so doch signifikante Ergebnisse zu produzieren. Fast alle befragten Türken hatten den gleichen Bildungsstand (Hauptschulabschluss) und spiegeln so das Bild ihrer Landsleute in Deutschland wider: Sie sind überproportional hoch als unqualifizierte Arbeiter beschäftigt und haben mit über 22 Prozent die höchste Arbeitslosenquote unter den Migrantengruppen.
Die Ausgrenzung auf dem Arbeitsmarkt geht, so die Studie, aber nicht zwangsläufig mit sozialer Ausgrenzung einher. Die Wohnsituation der zweiten Generation hat sich gegenüber der ersten deutlich verbessert. Die Konzentration auf typische Wohngebiete wie Großsiedlungen oder Altbauviertel wird zumindest von den Türken nicht als Tendenz zur Abschottung, sondern als Aufgefangenwerden in einer halbwegs funktionierenden Infrastruktur gesehen.
Die Oldenburger Wissenschaftler ziehen aus ihrer von der Volkswagenstiftung geförderten Studie daher den Schluss, dass die ethnische Absonderung von der Politik nicht behindert, sondern ausdrücklich zugelassen werden sollte – sofern sie freiwillig erfolgt und nicht den Eindruck von Ghettoisierung erweckt.
