Oldenburg - Eigentlich kann Hans-Joachim Harms in seiner Tätigkeit als Direktor der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen kaum noch etwas überraschen. Doch als er im November bei seiner letzten Kammerversammlung in Oldenburg von Delegierten und Gästen mit stehenden Ovationen bedacht wurde, war das etwas, das auch er so nicht erwartet hätte: „Wenn man da oben steht und sieht, dass 250 Leute aufstehen und zwei Minuten klatschen, das ist schon ein bewegender Moment gewesen.“
Zum Jahreswechsel geht der 67-Jährige, der als unermüdlicher Impulsgeber für die Landwirtschaft, kompetenter Ansprechpartner für Berufsstand und Politik und als nahbarer Vorgesetzter gleichermaßen wertgeschätzt wurde, in den Ruhestand. Fast 37 Jahre war Harms für die Kammer tätig, seit 2012 als ihr Direktor.
Die Karriere
Dass er so lange in Diensten der Kammer stehen würde, hätte der gebürtige Wangerooger zu Beginn seiner Karriere selbst nicht gedacht. Als frisch examinierter Jurist war Harms 1985 – zunächst befristet für knapp ein Jahr – als Angestellter ins Rechtsreferat der damaligen LWK Weser-Ems gekommen. „Aus dem einen Jahr sind dann fast 37 Jahre geworden“, sagt er schmunzelnd.
Innerhalb weniger Jahre übernahm er immer mehr Verantwortung: 1988 wurde er Personalchef, später kam der Bereich Recht hinzu. Mitte der 1990er-Jahre wirkte er an der Entwicklung der Vorgängerorganisationen der heutigen Düngebehörde und der Prüfdienste mit. Als Leiter des Fachbereichs Personal und Recht begleitete er 2005/06 die Fusion der Kammern Weser-Ems und Hannover zur heutigen LWK Niedersachsen. 2008 wurde Harms Leiter des Geschäftsbereichs Verwaltung und Finanzen und Anfang 2012 als Nachfolger von Jürgen Otzen Kammerdirektor.
Dr. Bernd von Garmissen wird zum Jahreswechsel neuer Direktor der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Der 55 Jahre alte Agrarjurist und Landwirt wurde einst im ostfriesischen Wittmund geboren, wo sein Vater Soldat war. Von Garmissen lebt aber schon seit vielen Jahren in Dassel/Solling (Kreis Northeim), wo seine Familie seit mehreren Generationen einen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb bewirtschaftet. Der promovierte Jurist ist verheiratet und war zuletzt als Fachanwalt für Agrarrecht tätig.
Hatte die damalige LWK Weser-Ems 800 Mitarbeiter, hat die Kammer heute – inklusive Lufa Nord-West – 2400. Gewachsen ist die Kammer durch die Fusion, aber auch durch weitere Aufgaben, die sie übernommen hat.
Die Kammer
Harms war und ist immer ein Verfechter des Kammergedankens gewesen. „Wenn wir die Selbstverwaltung nicht hätten, dann müssten wir sie jetzt erfinden“, lautet sein Credo. Was ihm besonders wichtig war und was er auch vorangetrieben hat, ist der Austausch mit der Wissenschaft. „Wir sind heute nicht nur geschätzter, sondern auch aktiv gesuchter Partner für wissenschaftliche Projekte“, sagte er.
Für Harms war das nie Selbstzweck: „Wir wollen Vorreiter sein bei der Lösung der Zukunftsfragen für die Landwirtschaft, damit unsere Betriebe eine Zukunft haben.“
Nur wenn es gelinge, die Zukunftsfragen zu beantworten und ein Einvernehmen zwischen Ökologie und Ökonomie herzustellen, könne Niedersachsen weiter ein starker Standort für die Agrar- und Ernährungswirtschaft sein. Wünschen würde er sich dabei für die Landwirtschaft mehr Anreize für freiwillige Leistungen und mehr Wertschätzung für das Lebensmittel. „Der Landwirt würde viel lieber einen ordentlichen Preis für das erzeugte Lebensmittel bekommen als eine Förderung von der EU“, sagt er.
Die Reaktionen
Vor wenigen Tagen wurde Harms – coronabedingt nur in kleinem Rahmen – auch offiziell in der Landwirtschaftskammer verabschiedet. Kammerpräsident Gerhard Schwetje hob hervor, dass Harms „mit seinem enormen Fachwissen, seiner großen Erfahrung und seinem verbindlichen und wertschätzenden Führungs- und Verhandlungsstil immer ein hervorragender, höchst verlässlicher Ansprechpartner für die ehrenamtlichen Vertreter aus Landwirtschaft, Gartenbau, Forstwirtschaft und Fischerei“ gewesen sei. Und Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) betonte, dass Harms als Kammerdirektor „immer Impulse für eine zukunftsfähige Landwirtschaft gegeben und politische Konzepte und Ideen in die Praxis umgesetzt“ habe.
Die Zukunft
Auf eine Sache freue er sich im Ruhestand besonders, sagt Harms: „Ich habe in Zukunft einen selbstbestimmten Terminkalender.“ In dem stehen zwar auch künftig noch die eine oder andere Ehrenamts- oder Aufsichtstätigkeit, etwa als Vorstandsmitglied der evangelischen Heimvolkshochschule Rastede oder im Hochschulverbund „trafo:agrar“. Die gewonnene freie Zeit will der Wahl-Oldenburger nun aber auch dazu nutzen, sich verstärkt in die Entwicklung des Bildungsstandorts Oldenburg und in die Arbeit der Oldenburgischen Landschaft einzubringen.
„Ich werde ein bisschen mehr Raum für all die Dinge haben, die in der Vergangenheit zu kurz gekommen sind“, sagt Harms. Dazu gehöre es, mehr Kultur zu genießen und auch mehr Zeit auf seiner Heimatinsel Wangerooge zu verbringen. Und dann ist da noch etwas, was auch Harms selbst immer noch etwas überrascht: Er hat kürzlich mit Golf angefangen – wenn auch auf sanften Druck seiner Frau, wie er schmunzelnd einräumt.
