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Hauswirtschaft Kochen unter strengem Blick der Jury

Evelyn Eveslage

OLDENBURG - In der Pfanne zischt das Öl. Als Bianca Frerichs die säuberlich geschnittenen Salbeiblätter mit dem Messer vom Schneidebrettchen in die Pfanne schiebt, spritzt das heiße Öl nach oben. Jetzt kann der Wettstreit richtig losgehen.

Die 19-Jährige ist eine von 45 hauswirtschaftlichen Auszubildenden, die sich den Herausforderungen des Leistungswettbewerbs in der Hauswirtschaft stellen. Es gilt, mindestens zwei Soßen für zwei Personen zuzubereiten. Nur 60 Minuten hat Frerichs dafür Zeit – vom Auspacken der Zutaten bis hin zum Abwasch. Das Motto für die Nahrungszubereitung lautet in diesem Jahr: „Eine Pasta – viele Soßen“.

Mit dem Pfannenwender in der Hand und konzentriertem Blick lässt sie die Blätter nur wenige Sekunden in der Pfanne, ehe sie sie zum Auskühlen in ein rotes Plastikschälchen legt. Die Zeit drängt.

Küche als Schauplatz

Die Großraumküche im Raum 208 der Oldenburger BBS III ist Schauplatz des Wettstreits. In weißen Kitteln stehen die Auszubildenden hinter hohen Edelstahlkochtöpfen. Emsig schnibbeln sie Schnittlauch und Zucchini – sowie tapfer Zwiebeln. Alle tragen Haarnetz oder ein weißes Häubchen: Kopfbedeckung ist Pflicht. Verstöße gegen die Hygienevorschrift ahndet die Jury mit Punktabzug.

Doch nicht nur die Kochkunst zählt. Graupen von Grieß und Rundkornreis müssen die Azubis unterscheiden und in der einstündigen Klausur Fragen nach den Arten von Kohlenhydraten beantworten können.


Geruch entscheidend

Während die Zitronen-Salbei-Soße der 19-jährigen Bianca Frerichs noch auf der blank geputzten Platte des Ceranfelds vor sich hin köchelt, fächelt sich Jurorin Marion Dobranz den Dampf zu. Wie die meisten Preisrichterinnen hat sie den Meisterbrief längst in der Tasche. Die 50-Jährige spitzt die Lippen, zieht die Augenbrauen leicht kraus und befindet: „Ja, man kann den Salbei schon riechen.“

Beflissen erklärt Bianca, dass der Geruch später noch stärker werde und sie extra aufgepasst habe mit den Zitronenschalen, damit die Soße nicht bitter schmecke. Dobranz macht eine Notiz auf ihrem Klemmbrett und geht weiter zum nächsten Herd. Dort begutachtet sie die Kochkünste von Anna-Lena Heibült, die im dritten Ausbildungsjahr im Altenzentrum Westerstede arbeitet. Noch eine halbe Stunde.

Wichtiger als das Endergebnis sei jedoch die strukturierte Durchführung, erklärt Dobranz, „eben einen kühlen Kopf zu bewahren“. Eine andere Teilnehmerin sei bereits jetzt schon mehrere Minuten im Verzug.

Hektischer Endspurt

Ein Stockwerk weiter oben, im Raum 306, steht die 19-jährige Nadine Kettler vorne an der Tafel und bügelt ein Hemd – unter dem prüfenden Blick zweier Jurorinnen. Die angehende Hauswirtschafterin zieht das violette Hemd über das Bügelbrett und erklärt – wie gefordert – jeden Schritt im Detail. Man fange grundsätzlich beim Kragen an zu bügeln, referiert sie, erst dann komme die Knopflochleiste.

„In meinem Bekanntenkreis bezweifeln einige, dass man Bügeln lernen muss“, erzählt Preisrichterin Bettina Heinemann. Als hauswirtschaftliche Betriebsleiterin aber weiß sie, dass Meilen zwischen dem „irgendwie-Glattkriegen“ der Wäsche im privaten Haushalt und der flüssigen Arbeitsweise eines Großbetriebs liegen.

Währenddessen geht es in der Großraumküche um die „Pasta“: nur noch fünf Minuten. Hektisch kratzen die Auszubildenden Soßenreste aus den Töpfen. Im letzten Moment kochen Frerichs die Nudeln über, schnell wischt sie die blubbernden Wasserbläschen weg.

Dann kosten die Preisrichterinnen und einigen sich auf die Punktzahl. Bei der Rücksprache mit den Schülerinnen wird deutlich, welche Präzision verlangt wird. Die Spaghetti mit Lachs- und Spinatsoße von Anna-Lena Heibült haben überzeugt. Als sie aber das Schneidebrett für Fisch abgewaschen hat, dampfte das Wasser nicht. Zudem fehlte ein Tropfen Spülmittel, um es hygienisch sauber zu halten – Punktabzug.

Bianca Frerichs ist mit ihrer Zitronen-Salbei-Soße unter den fünf besten Teilnehmern des dritten Lehrjahrs. Ihre Idee, den Pastateller mit den zuvor erhitzten Salbeiblättern zu garnieren, bewertete Richterin Marion Dobranz positiv. Denn auch das Anrichten einer Speise ist ein wichtiges Kriterium: „Das Auge isst eben mit.“

Nadine Kettler, die mit ihrem Detailwissen rund ums Bügeln überzeugen konnte, kommt auf den dritten Platz.

Kreative Rezepte

Abwechslung, aber keine Gourmetküche wird erwartet. Die Jurorinnen sind mit der Kreativität der Azubis zufrieden: Spaghetti Bolognese gab es nicht. Die Sieger der Kreisentscheide der Schulen qualifizieren sich für den Landesentscheid Ende April in Stade. Dort wird dann die beste Hauswirtschafterin Niedersachsens gesucht.

 @ Mehr Informationen unter

Ausgeschrieben

wurde der Wettbewerb von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und dem Berufsverband der Meisterinnen und Meister der Hauswirtschaft (BvMdH) Niedersachsen.

Über 450 Auszubildende in der Hauswirtschaft an 20 Berufsschulstandorten stellen sich dem Wettbewerb. In praktischen und theoretischen Aufgaben zeigenSie beweisen ihr theoretisches und praktisches Können.

Die Gewinnerin des 1. und 2. Ausbildungsjahres ist Jessica Meyer. Von den Azubis im dritten Ausbildungsjahre schnitt Meike Grenzius am besten ab.

Der Landesentscheid wird dann am 18. und 19. April veranstaltet.

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