OLDENBURG/HUDE/RASTEDE - Wenn in der Oldenburger Kulturetage Stars auftreten, dann wird den Besuchermassen genau dort heiß, wo einst auch schon bei klassischer Industrie-Arbeit geschwitzt wurde: In dem Haus Bahnhofstraße 11 hat eine der größten Firmengruppen der Region, Büsing & Fasch (Büfa), bis etwa 1980 chemische Produkte und Glas produziert. Und dort war damals auch der Firmensitz.

Das Oldenburger Traditionsunternehmen mit 520 Mitarbeitern feiert im August sein 125-jähriges Bestehen. Es ist unter dem Dach einer Holding breit aufgestellt und produziert auch in den Nachbar-Gemeinden Hude und Rastede. 2008 erreichte der Gruppen-Umsatz den Rekordwert von 209 Millionen Euro.

„Von solchen Dimensionen konnten Ludwig Büsing und Friedrich Fasch nichts ahnen, als sie sich 1883 entschlossen, einen Handel für Farbhölzer, Chemikalien und Baum-Öle zu gründen“, sagt Büfa-Geschäftsführer Werner zu Jeddeloh. Kunden waren vor allem Färber und Maler sowie frühe Industrielle des Großherzogtums Oldenburg.

Um 1900 war die Produktpalette bereits erheblich gewachsen. Man belieferte den norddeutschen Raum. Zu den wichtigsten Kunden zählte die Großherzoglich Oldenburgische Eisenbahn, die bei Büsing & Fasch Schmieröle für ihren zügig wachsenden Fuhrpark orderte.

Typisch für die 125-jährige Firmengeschichte wurden neue Aufgabenstellungen durch technische Revolutionen und enge Kundenbindungen. Ein Beispiel: Die Maler, die man mit Farben und anderem Zubehör belieferte, setzten auch Glas ein. Also baute Büfa eine Glas-Sparte auf, das Handelsunternehmen wurde damit auch zum Produzenten. Solche „kundeninduzierten Entwicklungen“ führten in den 60er und 70er-Jahren zur Diversifizierung und der ungewöhnlich breiten Aufstellung der Gruppe, erläuterte zu Jeddeloh.


Heute zählen – nach dem kürzlich erfolgten Verkauf der Polyurethane an Bayer – zur Gruppe die Sparten Glas und Reinigungssysteme (Oldenburg), Chemikalien (Hude mit Tochtergesellschaft in Almelo, Holland) und Reaktionsharze (Rastede, mit Tochtergesellschaften in Polen und Spanien). Klammer ist die Holding am Stubbenweg.

Büfa – das steht auch für eine Firma, die ungewöhnlich viel für ihre Mitarbeiter tut, etwa die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Mehrmals gewannen die Oldenburger Preise bzw. waren in der engeren Auswahl. „Wir wollen eben attraktiv sein“, sagt zu Jeddeloh. Gute, motivierte Mitarbeiter machten die Kraft des Unternehmens aus.

Die Story sei aber auch den Gesellschaftern zu verdanken, konkret der Familie Wuppermann, die den Gewinn im Unternehmen lasse, sagt zu Jeddeloh. Das Geld stehe für Wachstum bereit.

Die Gesellschaftergruppe Familie Wuppermann-Kolwey stockte ihren einstigen Minderheitsanteil mehrmals auf, bis auf die heutigen 74,9 Prozent. Die übrigen Anteile hält ein Finanzinvestor. Es ist aber keineswegs ausgeschlossen, dass das Unternehmen eines Tages wieder zu 100 Prozent im Familienbesitz sein wird. „Kurzfristige Renditeerwartungen und Aktienkurse interessieren uns nicht“, konstatiert Herbert Wuppermann (73).

Die Firmen-Anteile sind in einem Pool vereint, als dessen Sprecher Beiratsvorsitzender Jan Wuppermann (39) fungiert. Er betont: „Die Firma wird auch langfristig im Familienbesitz bleiben.“

Wuppermanns Gesellschafter und die Geschäftsführung liebäugeln nach der Trennung von den Polyurethanen, die auf Wunsch des Mitgesellschafters Bayer erfolgte, mit dem Einstieg in ein neues Geschäftsfeld – eines, das weniger stark von Rohstoffkosten (Öl) abhängig ist als Chemie und Glas. Aber eines steht schon „Stärke der Firma bleiben individuelle Problemlösungen“, sagt zu Jeddeloh.

Und der Firmensitz? „Er ist und bleibt in Oldenburg“, stellen Herbert und Jan Wuppermann klar. Speziell auch der Bahnhofstraße 11 bleibt man emotional eng verbunden. So sponsert Büfa die Oldenburger Kabarett-Tage. Die Unterhalter treten in der Kulturetage auf – dort also, wo Büfas Erfolgsstory 1883 begann.