OLDENBURG - Die Schuldenkrise macht sich mittlerweile auch in der Wirtschaft des Oldenburger Landes bemerkbar. Der Konjunkturklimaindex der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK), der die Stimmung der regionalen Wirtschaft misst, fiel im zweiten Quartal auf 111 Punkte 14,6 Punkte weniger als im Vorquartal, wie die Kammer am Freitag mitteilte. Erstmals seit Frühjahr 2010 liege der Index wieder unter dem Fünf-Jahres-Durchschnitt. Niedersachsenweit fiel der Index um zwölf auf 109 Punkte, wie die IHK in Hannover mitteilte.
Die Unsicherheit über die europäische Staatsschuldenkrise drückt die Geschäftserwartungen für das laufende Jahr, sagte Oldenburgs IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Peters in einer Bewertung der Konjunkturumfrage. Das Risiko für die deutsche Konjunktur sei gestiegen.
Neben der Eurokrise machte die Kammer auch nachlassendendes Wachstum in den USA sowie in Schwellenländern als Problem aus. Die regionalen Industriebetriebe sind bei den Exporterwartungen deshalb nicht mehr so optimistisch wie noch im Vorquartal, sagte Peters.
Problematisch sei überdies die Unsicherheit über das weitere Vorgehen bei der Energiewende. Dahinter steht die Sorge der Unternehmen vor weiteren Preissteigerungen, sagte er. Schon jetzt würden zwei Drittel der befragten Industriebetriebe ein zu hohes Preisniveau beklagen.
Grund zur Panikmache bestehe trotz der Stimmungseintrübung allerdings nicht. Trotz der etwas schlechteren Aussichten gibt es keinen Grund für ausgeprägten Pessimismus, meinte Peters. Noch immer würden 90 Prozent der befragten Betriebe die aktuelle Geschäftslage als gut oder befriedigend bezeichnen. Die Binnenwirtschaft erweist sich als solide, eine Rezession ist nicht in Sicht, sagte er.
Die Investitionsabsichten seien immer noch auf gutem Niveau, wenn auch etwas zurückhaltender als zuvor. Der Beschäftigungsaufbau finde weiter, aber verlangsamt statt, Die regionale Wirtschaft wird ihren Wachstumkurs im laufenden Jahr fortsetzen, wenn auch mit etwas gedrosseltem Tempo, sagte Peters.
Beim Blick auf einzelne Branchen zeigt sich ein gemischtes Bild. Die Industrieunternehmen spüren laut IHK einen deutlichen Auftragsrückgang aus dem Ausland, während die Binnenkonjunktur sich als robust erweist.
Dank niedriger Bauzinsen und einer wachsenden Baunachfrage aufgrund der Unsicherheit an den Finanzmärkten sind die meisten Unternehmen im Baugewerbe weiter positiv gestimmt. Nur jedes 20. sei unzufrieden.
Nach einer sehr positiven Stimmung im Vorquartal hat sich die Stimmung im Einzel- sowie im Großhandel dagegen eingetrübt. Angesichts hoher Lagerbestände hätten viele Einzelhändler den Rotstift ansetzen müssen. Der Konjunkturklimaindex Einzelhandel fiel von 141,3 Punkten im Vorquartal auf 100,6 Punkte.
Eher freundlich ist dagegen die Stimmung im Verkehrs- und Logistikgewerbe sowie im Dienstleistungsbereich. Während Verkehrs- und Logistikbetriebe von einem gestiegenen Beförderungsvolumen berichten, vermeldet die Dienstleistungsbranche wachsende Auftragseingänge und sich positiv entwickelnde Umsätze.
