Oldenburg - Die Wirtschaft des Oldenburger Landes steht auch zu Jahresbeginn weiter unter Volldampf. „Die konjunkturelle Ausgangslage ist exzellent“, sagte Gert Stuke, Präsident der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK), am Dienstag bei der Vorlage des Jahresberichtes. Im Januar – dem einzigen schon statistisch verfügbaren Monat von 2018 – sei der Industrieumsatz gegenüber Vorjahr um weitere 7,9 Prozent Prozent gestiegen, ergänzte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Peters. Man sei 2018 „schwungvoll gestartet“.
Damit knüpfen die oldenburgischen Unternehmen nahtlos an 2017 an. Es sei „ein gutes Jahr für unsere Wirtschaft gewesen“, bilanzierte Peters. Das erschien eher noch zurückhaltend formuliert. Denn der regionale Industrieumsatz stieg 2017 um 8,1 Prozent, das Ammerland schaffte sogar 19,6 Prozent. Hintergründe seien hohe Binnen- und Auslandsnachfrage sowie – endlich – starke Investitionen, auch in Kapazitätserweiterungen.
Viele neue Stellen
Die Industrie war denn auch ein starker Motor für die Beschäftigung im Oldenburger Land. Allein hier seien rund 3000 neue Arbeitsplätze entstanden (plus fünf Prozent), zusätzlich zu 1400 im Handel und 3000 im breitgefächerten Dienstleistungsbereich.
Und es geht es offenbar weiter. Die Oldenburger IHK-Spitze geht davon aus, die regionale Wirtschaft insgesamt 2018 noch besser abschneiden könnte als das Bundesgebiet. Dabei erwartet die Kammer-Dachorganisation DIHK (Berlin) für 2018 bundesweit schon ein – für deutsche Verhältnisse – sehr starkes Wirtschaftswachstum von 2,7 Prozent.
Man sollte allerdings einige Risikofaktoren nicht übersehen, sagte Stuke. Dazu zählte er den ständig zunehmenden Fachkräftemangel, über den bereits mehr als 60 Prozent der regionalen Betriebe stöhnen. Aber auch mögliche Folgen der britischen Brexit-Pläne und den Handelsstreit zwischen den USA und China sprach der IHK-Präsident an.
Bisher gebe es keine schwerwiegenden Auswirkungen auf heimische Betriebe, konstatierte IHK-Geschäftsführer Felix Jahn. „Stabile Basis“ sei die Eurozone, in die zwei Drittel der Ausfuhren geliefert werden. Die Exportquote (Anteil der Ausfuhren am Umsatz) ist im IHK-Bezirk mit 26 Prozent zwar steigend, aber immer noch relativ niedrig (Niedersachsen: 40 Prozent).
Was die IHK will
Zwei Projekte hob Stuke als aktuell besonders wichtig für das Oldenburger Land hervor: Für die „Universitätsmedizin Oldenburg“ mit der European Medical School (Oldenburg/Groningen) forderte er die betreffenden Kliniken auf, gemeinsam mit Gesprächen „auf Augenhöhe“ ein Zukunftskonzept zu entwickeln. Und für Wilhelmshaven als Standort für ein LNG-Terminal (Liquefied Natural Gas/Flüssiggas) sei eine Koordinierungsstelle wichtig, die die Dinge auf professioneller Ebene als zentraler Ansprechpartner vorantreibe. Es gehe auch darum, Investoren anzusprechen und Fördergelder zu akquirieren, so Stuke. Immer mehr Schiffe werden mit LNG angetrieben.
Jugendliche ohne Orientierung
Handlungsbedarf sieht die Oldenburgische IHK auch weiterhin in der beruflichen Bildung. Das Thema gehöre „dringend nach vorn“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Dr. Thomas Hildebrandt. Prognosen zufolge drohten künftig wachsende zahlenmäßige Defizite im Bereich der Nachwuchs-Fachkräfte und ein riesiges Überangebot an Hochschulabsolventen. Wichtig sei bei vielen Betrieben „mehr sichtbare Qualität bei Inhalten und Rahmenbedingungen“ und bei den Jugendlichen „mehr berufsbezogene Orientierung“, die sich an den persönlichen Fähigkeiten orientieren sollte. „Schülerinnen und Schüler müssen sich intensiv – mit Unterstützung der Eltern und der Schulen – um Berufsorientierung bemühen“, mahnte Hildebrandt, der sich seit vielen Jahren stark engagiert. 2017 blieb die Zahl der neuen Ausbildungsverträge bei der IHK praktisch konstant bei 4264 (minus 9). Im Hotel- und Gaststättengewerbe sank sie um elf Prozent.
Die Zahl der Geflüchteten in der Berufsausbildung ist mit 102 noch gering. 66 sind in Praktika oder einer Einstiegsqualifizierung. „Wir sind auf einem guten Weg, aber bei der Vermittlung erweist sich noch immer die Sprache als Hemmnis Nummer“, so Hildebrandt.
Gegen Fahrverbot
Die IHK erneuerte ihre klare Absage an generelle Fahrverbote für Diesel. Dies wäre in Oldenburg – dem einzigen betroffenen Ort im Kammerbezirk – angesichts einer „punktuellen Grenzwertüberschreitung an nur einer Messstation unverhältnismäßig“, meinte Felix Jahn. Er warnte vor Belastungen für Betriebe, Kunden und Arbeitnehmer. Man arbeite an konkreten Maßnahmen mit, „die ebenfalls einen Beitrag zur Sicherung der Erreichbarkeit unserer Innenstadt leisten können“. Er nannte z.B. Lieferzonen-Management, „Mikro Ports“ und Lastenräder.
