OLDENBURG - OLDENBURG - Nicht nur bei Textilien und Elektro-Produkten gehört China zu den Haupt-Importeuren nach Deutschland. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden ausrechnete, kommen aber auch die meisten Sonnenbrillen von dort. Allein von Januar bis April 2005 wurden 20,1 Millionen Sonnenbrillen nach Deutschland eingeführt, davon 83,8 Prozent aus China. Mit weitem Abstand folgten Taiwan mit einem Anteil von 7,3 Prozent an den Importen und Italien mit 2,4 Prozent.
Während die italienischen Brillen im Import für Großhändler im Schnitt 27 Euro kosteten, waren die aus China und Taiwan – laut Statistik-Amt – für durchschnittlich einen Euro zu haben.
Weit über 90 Prozent der in Deutschland verkauften Sonnenbrillen kommen aus dem Ausland. Auch die bekannte Firma Rodenstock lässt zum Beispiel in China und Italien produzieren.
Das hieße aber nicht, dass die Qualität schlecht sei, sagt Axel-Otto Schulz, Mitinhaber des Oldenburger Optikers Schulz. Auch bei importierten Brillen werde der UV-Schutz überprüft. Dass UV-Schutz vorhanden ist, erkennt man am „CE“-Zeichen. „Allerdings ist der UV-Schutz nicht weltweit gleich“, relativiert Schulz. Ein UV-Schutz, der für China ausreichend sei, müsse dies nicht für West-Europa sein. Bei besseren Brillen ist deshalb die Wellenlänge angegeben, bis zu der die Brille die Strahlung filtert. „400 Nanometer bieten einen guten UV-Schutz“, so Schulz. „Der reicht für alles aus.“ Seine Erfahrung: Die Qualität der Import-Brillen sei in Ordnung, es gebe aber auch schwarze Schafe, deren Brillen man ablehne. Jeder Optiker besitzt auch ein eigenes UV-Schutz-Prüfgerät. „Bei Kaufhäusern oder Tankstellen gibt
es das nicht“, warnt Schulz vor Fehlkäufen. Denn was viele nicht wüssten: „Besser keine Sonnenbrille als eine mit schlechtem UV-Schutz.“ Denn ohne Brille kneift man die Augen zu, und die Pupillen werden kleiner. Mit Brille werden sie größer und lassen die UV-Strahlen herein. Außerdem kommt es laut Schulz bei Billig-Brillen auch vor, dass die Gläser nicht geschliffen, sondern gepresst wurden und einige Abbildungen verzerrt sind.
Bei einer Untersuchung von Stiftung Warentest fielen denn auch zwei Sonnenbrillen mit „mangelhaft“ durch: Bei einer Kinderbrille war die Abbildung verzerrt, bei einer Erwachsenenbrille stimmte die Filterkategorie nicht.
Ein Vermögen müsse man für eine gute Sonnenbrille auch beim Optiker nicht hinlegen, sagt Schulz: „Es gibt schon ab knapp zehn Euro vernünftige Modelle.“
In Deutschland werden laut Statistischem Bundesamt nur noch ganz wenig Sonnenbrillen hergestellt: Vier Unternehmen – eins in Rheinland-Pfalz, drei in Bayern – hätten im Jahr 2004 insgesamt 109 810 Stück produziert und von Januar bis März dieses Jahres 12 582 Stück. Inwiefern Sport-Sonnenbrillen dabei mitgezählt wurden, ist nicht ganz klar. Jedenfalls produziert allein die Firma Uvex aus Fürth (Bayern) mehr als 200 000 Sport-Sonnenbrillen pro Jahr in Deutschland (inklusive Sonnenbrillen der Tochter Alpina), so die Auskunft von Sigmund Piller, Leiter der Produktentwicklung bei Uvex Sports. Dass die Firma gegenüber China konkurrenzfähig ist, begründet Piller mit hohen Investitionen in Automatisierungstechnik, sodass weniger Personal gebraucht wird, und mit gründlichen Mitarbeiterschulungen.
Und: Qualitätsprodukte aus Fernost lägen preislich gar nicht mehr weit unter dem europäischen Niveau.
