OLDENBURG - Ende des Stillstands: Boykengang-Besitzer Olaf Stark aus Stuhr wird im August mit den Bauarbeiten zur 500 000 Euro teuren Umgestaltung der Immobilie zwischen Haaren- und Kurwickstraße beginnen. Stark und Stadtbaurat Dr. Frank Pantel verkündeten am Donnerstag die Einigung in einem Konflikt, der den Unternehmer seit der Ersteigerung des Boykengangs im November 2006 gebremst hatte.
Die Stadt sichert sich bis 2015 ein Überwegungsrecht während der Kernöffnungszeiten, im Gegenzug genehmigt sie den Umbau und beteiligt sich an den Kosten der Neu-Pflasterung, sagt Stark Dazu soll der Boykengang ins Sanierungsgebiet Burgstraße einbezogen werden, sagt Pantel. Noch eines wird sich ändern: Um der bisherigen Misserfolgs-Geschichte zu entgehen, soll der Gang einen neuen Namen bekommen. Welchen, steht noch nicht fest.
Frühere Ideen Starks für den bis auf die Häuser an den Eingängen nahezu leerstehenden Boykengang waren daran gescheitert, dass die Stadt zwei Eingänge zur Bedingung machte. Das hätte zu viel Kosten für die zum Konzept passenden Pächter bedeutet, etwa für Diebstahlssicherung. Nun liegt ein Konzept vor, dass beide Seiten versöhnt: Für die Stadt bleibt die Verbindung von Burgstraße über Haarenstraße und Kurwickstraße zum Waffenplatz erhalten, Stark kann Eingänge nach Ladenschluss absperren, öffnet den Gang durch architektonische Lösungen zur Haaren- und Kurwickstraße. Laut Architekt Carsten Meyer-Bohlen bekommt er „einen Charakter als öffentliche Passage“. Dafür werden die Eingänge erweitert, die Türen bis zu 20 Meter nach innen gezogen. Die Eckgebäude erhalten zu den Gangseiten Fenster und Säulen. Zudem werde die „klinische Kachelung“ durch das rote Pflaster ersetzt, wie man es im Nikolaigang finde, so Meyer-Bohlen. Und: „Das Blau verschwindet völlig.“ Mit neuer Beleuchtung werde eine
andere Atmosphäre geschaffen.
Das Konzept für den Handel will Stark auf neue Füße stellen: „Ich will mit einem Gesamtpächter agieren, der für das Management sorgt.“ Er stehe mit zwei Interessenten in Kontakt, die beide Starks Idee eines Marktplatzes mit autonomen Ständen und Zentralkasse umsetzen wollen: Einer plane mit Designmöbeln, Schmuck und Blumen als Hauptsortiment, der andere mit Naturkost und Ökowaren. Noch sei kein Vertrag unterschrieben, er sei für Ideen offen, sagte Stark.
An den Erfolg in der bisher eher durch Pleiten aufgefallenen Immobilie glaubt Stark aus drei Gründen. Zunächst sei die Pacht geringer, weil er nicht über sechs Millionen Euro Baukosten refinanzieren müsse, wie die Erstbesitzer (Stark hatte die Immobilie für 900 000 Euro in der Zwangsversteigerung erworben). Zweitens werde der Gesamtpächter aus Eigeninteresse Leerstände vermeiden und in der Markthalle würden zeitweilige Lücken von anderen Ständen ausgefüllt. Drittens sorge die offene Architektur für mehr Besucher.
Stark, der ein 700 Mitarbeiter zählendes Gebäudereinigungsunternehmen betreibt, hat Erfahrung: Vor elf Jahren übernahm er eine „Problemimmobilie“ in Syke, „und da gibt es seit zehn Jahren keinen Leerstand mehr“.
