OLDENBURG - Im Büro von Dr. Ayca Polat im Rathaus hängt ein interkultureller Kalender mit Feiertagen vieler Völker. An der Wand daneben strahlt ein Baby von einem Foto. Im Regal dazwischen ist noch Platz für viele Aktenordner, denn schließlich ist die neue Integrationsbeauftragte der Stadt Oldenburg noch keine 100 Tage im Amt. „Und trotzdem habe ich schon viele engagierte Menschen kennengelernt, die den interkulturellen Austausch fördern“, sagt die 36-Jährige, die in Istanbul geboren und in Hamburg aufgewachsen ist.
Das Baby auf dem Foto ist ihr sechs Monate alter Sohn, um den sich die Oma kümmert, die eigens aus der Türkei wieder nach Oldenburg gekommen ist, um die Tochter zu unterstützen. „Ich wollte diesen Job unbedingt“, sagt Ayca Polat, die an der Universität Oldenburg interkulturelle Pädagogik studiert und in Soziologie promoviert hat. Für ihre Dissertation forschte sie über „Integrations- und Ausgrenzungsprozesse von Türken der zweiten Generation“. Dabei wurden Stadtteile in Hannover untersucht. Aspekte wie Konflikte mit Arbeitgebern und Vermietern gerieten ebenso in den Blickpunkt wie die Konzentration von Migranten in bestimmten Quartieren.
Die Stabsstelle der Integrationsbeauftragten wollte sie unbedingt, „weil man da praktisch arbeiten und die Dinge verändern kann“. Vielen sei inzwischen klar, dass moderne Städte mit Konzeptions- und Koordinationsstellen arbeiten, die eben nicht nur Sprechstunden anbieten, wenn Probleme auftauchten.
Bildung ist für Ayca Polat der Dreh- und Angelpunkt. „Über 30 Prozent der ausländischen Jugendlichen in Oldenburg schaffen keinen Schulabschluss“, sagt sie. Derzeit liegt ihr Fokus vor allem in der sozialen Vernetzung. Sie will all jene zusammenbringen, die in diesen Bereichen arbeiten, damit sich erfolgreiche Konzepte auch übertragen lassen.
Ayca Polat, die von sich sagt, sie habe ein gutes Einfühlungsvermögen, ist immer neugierig darauf, neue Menschen kennenzulernen und interkulturell ins Gespräch zu bringen. Dass es für sie als junge Frau nicht immer einfach sein wird, kalkuliert sie ein. „Wir brauchen auf beiden Seiten Frustrationstoleranz“, sagt sie, „aber ich will ernst genommen werden.“
