OLDENBURG - Die neue Bahnpolitik des Rates mit der eigenen Suche nach einer Umgehung stößt bei den benachbarten Kommunen auf Ablehnung. Der Rat hatte am Montag (bei Enthaltung des Oberbürgermeisters) einstimmig beschlossen, eine Studie zur Prüfung einer alternativen Trasse durch wenig besiedelte Gebiete der Region in Auftrag zu geben in enger Absprache und Kooperation mit den Nachbargemeinden. Dort kam das nicht gut an
Mit Irritation bis Befremden hat Ammerlands Landrat Jörg Bensberg registriert, dass die Oldenburger immer schnell dabei sind, wenn es darum geht, Lasten auf das Umland zu verlagern. Vor zehn Jahren ist die damalige Stadträtin Karin Opphard zu uns gekommen und hat freudestrahlend gesagt, wir suchen bei Euch nach einem Deponiestandort, bei uns gibts ja keinen. Der Kreis erfahre aus der Zeitung, dass die Stadt eine nicht unerhebliche Zahl an Asylsuchenden an einen Ort bringen wolle, der nur über die Infrastruktur Ofens versorgt werden könne. Und nun sollten die stinkenden und lärmenden Güterzüge durchs Umland fahren.
Der Landkreis sehe mit Verärgerung, dass es in dieser Frage noch überhaupt keine Kontaktaufnahme gegeben habe. Die Stadt könne nicht auf anderen Gebieten planen. Die Sache sei einzig und allein der Kommunalwahl geschuldet. Der Rat habe mit seinem Beschluss Oberbürgermeister Schwandner auf eine mission impossible geschickt.
Wilhelmshavens Oberbürgermeister Eberhard Menzel gab sein Unverständnis über den Oldenburger Weg zu Protokoll. Wir meinen, dass der Jade-Weser-Port mittlerweile von den Oldenburgern als Geisel genommen wird, sagte er. Die Verfolgung einer Bahnumgehung um Oldenburg werde zu einer erheblichen zeitlichen Verzögerung führen. Das könne bereits feststehende Maßnahmen wie Lärmschutz an der Strecke gefährden. Die Oldenburger sollten in sich gehen und das mit Augenmaß betrachten.
Wesermarsch-Landrat Michael Höbrink hält es für grundsätzlich problematisch, eine Belastung der Stadt Oldenburg ins Umland zu verlegen. Es sei schon schwierig genug, Einvernehmen über die Küstenautobahn zu erzielen. Da habe die Wesermarsch kein Interesse, zusätzliche Belastungen auf sich zu nehmen. Jede Trasse zerschneide eine Landschaft. Da könne man keinen Jubel erwarten. Selbstverständlich helfe man sich unter Nachbarn. Das habe der Kreis mit der Zustimmung zu Ikea bewiesen.
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