OLDENBURG - Die meisten Besucher der Stadtteilkonferenz kamen mit einem unguten Gefühl und sie wurden in ihrer Annahme bestätigt. Obwohl mit der Inbetriebnahme des Jade-Weser-Ports die Zahl der vorbeifahrenden Güterzüge extrem zunehmen wird, haben die Osternburger Bahnanlieger keinen erforderlichen Schallschutz zu erwarten. Osternburg steht nackt da, meinte eine enttäuschte Anliegerin. Verkehrsamtsleiter Bernd Müller wollte nichts beschönigen. Die Situation ist ziemlich belämmert.
Zur letzten der sechs Stadtteilkonferenzen zum Bahnlärm kamen am Mittwochabend 170 Bürger in die Aula des Schulzentrums Osternburg, um sich über die aktuellen Planungen zum Ausbau der Bahnstrecke und über den Lärmschutz zu informieren.
Verkehrsamtsleiter Bernd Müller machte noch einmal deutlich, dass beim Ausbau der Stadtstrecke nur die Anlieger ab dem Pferdemarkt in Richtung Norden Anspruch auf hochwertige Lärmvorsorge hätten. Für den nicht vom Ausbau betroffenen Osternburger Streckenabschnitt gebe es trotz desselben Verkehrsanstiegs (im Extremfall bis zu 86 Güterzüge täglich) höchstens die geringere Lärmsanierung. Das ist aber ein freiwilliges Programm der Bahn. Es besteht kein Rechtsanspruch, betonte er.
Müller machte auch wenig Hoffnung auf Veränderungen an der mehr als 55 Jahre alten Rollklappbrücke. Der Bund sei nicht bereit, den Bau einer schätzungsweise 150 Millionen Euro teuren neuen Eisenbahnbrücke über die Hunte zu unterstützen.
Trotz der niederschmetternden Nachrichten machte Verwaltungsjurist Prof. Dr. Bernhard Stüer, der die Stadt und weitere Kläger gegen den Streckenausbau vertritt, den Osternburgern etwas Mut. Bei einer Annahme des Bahn-Angebots (vorgezogener passiver Schallschutz an der Oldenburger Ausbaustrecke) durch die Stadt sei es durchaus möglich, dass das Bundesverwaltungsgericht der Bahn übergangsweise Betriebsbeschränkungen auferlege. Von einem Nachtfahrverbot und einer Tempobeschränkung für die Züge profitiere auch Osternburg. Mit der Bereitschaft zum Vergleich bestehe auch nach wie vor das Recht, so Stüer, eine Umgehungstrasse zu fordern.
In Redebeiträgen warfen Bürger der Verwaltung vor, dass diese sich nicht mit dem erforderlichen Nachdruck für eine Bahnumgehung einsetze. Oberbürgermeister Gerd Schwandner wies die Kritik zurück: Die Umgehungstrasse ist die beste Lösung, das ist völlig unstrittig. Derzeit haben wir aber keine Bündnispartner im Land und beim Bund für eine Umgehung.
Mit dem Bahnverkehr in Osternburg befasst sich auch der Verkehrsausschuss in seiner nächsten Sitzung. Die SPD setzt sich für die Beseitigung der Bahnübergänge an der Stedinger Straße ein. Konkret denken die Sozialdemokraten an eine Tunnellösung. In einem Antrag wird die Verwaltung aufgefordert, eine Machbarkeitsstudie samt Kostenschätzung einzuholen. Überdies sei eine Optimierung der Schranken-Schließzeiten an den Bahnübergangen Stau und Schulstraße anzustreben.
