OLDENBURG - „Sehr gut!“, benotet Rupert Hutterer, Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Seiler- und Netzmacher-Handwerks, gut gelaunt die aktuelle Situation seiner Branche: „2012 sind wir fast alle wieder voll ausgelastet“, erklärt der Seilermeister.
„Wir“, das sind die rund 100 im Verband organisierten Unternehmen, die bis diesen Sonnabend in Oldenburg tagen. Beim Namen „Seiler“ denken viele an ein mittelalterliches Gewerbe, an Kälberstricke und Henkerkordeln, weiß Hutterer. Doch: „Das ist Hightech!“ Und mit Hightech soll es auch weiter in die Zukunft gehen: Über „Dyneema“ – eine neue Faser, die trotz geringen Gewichts die Kraft von Stahl hat – informieren sich die Seiler auf der Tagung.
Dass das alte Handwerk sehr modern ist, zeige gerade auch der Standort Oldenburg: Die August Herzog Maschinenfabrik mit Geschäftsführer Guido Grave stellt Hochleistungs-Flechtmaschinen her, und die Mechanische Netzfabrik Walter Kremmin mit Geschäftsführer Dr. Hannes Kremmin hat sich auf die Produktion von Bindfäden und Netzen spezialisiert.
Die Wirtschaftskrise haben die beiden Unternehmen überstanden – wie alle der Branche, berichtet Kremmin. „Diese Zeit war sicherlich nicht lustig, aber letztendlich ist das Seilerhandwerk ein bodenständiges Gewerbe – mit langfristigen Perspektiven.“
Jetzt im Aufschwung werden Fachkräfte händeringend gesucht. Ebenso wie Materialien: Viele ausländische Zulieferer mussten während der Krise schließen. Jetzt fehlen sie und ihre Produkte. „Kaum einer hatte gedacht, dass die Wirtschaft nach drei Jahren schon wieder so boomt“, sagt Hutterer. Dass die deutsche Industrie auf Kurzarbeit gesetzt habe, sei eine gute Entscheidung gewesen. Jetzt seien zumindest diese Unternehmen wieder voll da, sagt er. Der Verbandspräsident ist zuversichtlich, dass sein Handwerk auch die nächste Finanzkrise überleben wird.
