OLDENBURG - Der Oldenburger Winterfan Grützmann hat nachgeforscht. Weitere Rekorde können aber noch folgen.

Von Klaus Fricke

OLDENBURG - Dass der Winter 2006/07 alle Wärmerekorde gebrochen hat, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Zwölf Tage nach seinem kalendarischen Ende darf sich der Winter 06/07 aber eine weitere Bestmarke ans eisfreie Revers heften: „Es war der wärmste Winter im Nordwesten seit über 800 Jahren“, legt sich der Oldenburger Winterforscher und -freund Jörg Grützmann fest – mit dem Zusatz „Nachweislich“.

Eine überraschende Aussage, schließlich datiert der Beginn der instrumentellen Wetteraufzeichnung auf das Jahr 1880. Grützmann aber beruft sich außerdem auf die einschlägige Literatur der Klimaforschung und der historischen Meteorologie, in der der Charakter eines Winters mit so genannten Kältesummen dargestellt wird – von „extrem warm“ bis „extrem streng“.

Grützmanns Studium der entsprechenden Literatur vor allem aus Deutschland und den Niederlanden ergab, dass zum Beispiel die Winter von 1755/56 und von 1763/64 als besonders milde eingestuft wurden, dass der soeben beendete Winter mit einer mittleren Temperatur von 4,3 Grad Celsius (4,1 Grad über dem vieljährigen Durchschnitt) „definitiv“ wärmer gewesen ist.

Gleiches gilt für alle anderen Winterzeiten seit etwa 1200. Das 13. Jahrhundert ist, so Grützmann, bestimmt durch den Übergang des hochmittelalterlichen Wärmeoptimums zu kälter werdenden Zeiten; nur der Übergang 1289/90 galt als warm. Ähnlich sei es in der Folgezeit gewesen, mit der „Kleinen Eiszeit“ (ab 15. Jahrhundert), die ihren Höhepunkt im 19. Jahrhundert mit 51 strengen Wintern findet.


Und auch wenn es danach stetig wärmer geworden ist in der kalten Jahreszeit (Ausreißer bestätigen die Regel, z.B. der „Polarwinter“ von 1962/63) – gegen die ungemütliche Wetterlage knapp diesseits des Nullpunktes von 2006/07 kam bislang kein Vorgänger an. „Der Trend ist derzeit unaufhaltsam und besonders seit dem Winter 1989/90 zu spüren“, bilanziert Grützmann. Mehr noch: „Weitere Rekorde sind denkbar.“