OLDENBURG - Der Chef riecht es auch, immer noch, jedes Mal, wenn er auf den Hof an der Ammerländer Heerstraße fährt: diesen Morgenduft nach Brötchen, Brot und Kuchen, der den ganzen Betrieb umweht und schon nach dem Einparken glücklich macht.

Früher, als die Backstube noch an der Tannenstraße war, „roch unser ganzes Wohnhaus so“, erinnert sich Jan Christian Schröder. Wenn dort zu Silvester noch mal Berliner gebacken werden, steigen die alten Erinnerungen wieder auf. 100 Jahre ist es her, dass der Großvater August Schröder hier den Betrieb startete. 41 Jahre später übernahm Vater Hans Schröder das Geschäft, erweiterte und führte es bis zu seinem Tod im Jahr 2005. Seitdem ist Jan Christian Schröder Inhaber und Chef der Stadtbäckerei, des größten und ältesten Bäckereibetriebs Oldenburgs.

Im Produktionsgebäude an der Ammerländer Heerstraße verarbeiten neun Bäcker, acht Konditoren und 14 Azubis jeden Morgen 1,5 Tonnen Mehl und andere Zutaten. Allein 15 000 Brötchen werden jede Nacht knusprig gebacken und in 18 Geschäften verkauft – 17 in Oldenburg und eins in Zwischenahn, seit neuestem auch im ersten „Schröders“, einem Coffeeshop in der Achternstraße.

Die Verlagerung der Produktion war eine der wichtigsten Weichenstellungen. Als der Vater den Sohn vor 14 Jahren fragte, ob er den Betrieb später allein weiterführen wolle und gleichzeitig enorme Auflagen für einen Ausbau an der Tannenstraße gemacht wurden, fiel die Entscheidung für die Erweiterung an der Stadtgrenze leicht. Ähnlich wichtig war der Start der Bio-Back-Linie, in der die Schröders als eine der ersten Bäckereien des Landes schon vor 25 Jahren Biogetreide verarbeiteten.

Jan Christian Schröder ist Betriebswirt, aber mit Leib und Seele auch Bäcker- und Konditormeister. Jeden Morgen um 6 Uhr ist er bei seinen Leuten, weil er als Bäcker „möglichst nah dran sein will“ am Geschehen. Der 39-Jährige denkt sich gern neue Produkte aus, liebt dabei das Backen aber auch gerade „weil es so bodenständig ist“. Er weiß genau, wie es war, als er in der Lehrzeit „das erste Mal Schwarzwälder rausholte, dieser Anblick des frischen Brotes, dieser Duft, das ist was Schönes“.


Vor ihm auf dem Tisch dampft heißer Tee, in der schönen Schale stapeln sich Kekse: Linzer Bissen mit einem Klecks Johannisbeerkonfitüre, Florentinchen, Kokosplätzchen und Schokobrezeln. Und nichts geht ihm über seinen „Harzburger Butterkuchen und den leckeren Rührkuchen“. Kein Wunder, dass Schröder mit seiner Frau Corien (35), die sich um Kassen-EDV und Verkauf kümmert, auch beruflich ein gutes Team bildet. Kennen gelernt hat er die gebürtige Holländerin aus Winschoten nämlich zwischen Brötchen und Sahneschnitten – als sie in einer Bäckerei auf Borkum arbeitete. Ob die Töchter Annemieke (4) und Elisabeth (2) später in die Fußstapfen ihrer Eltern treten, weiß natürlich noch keiner – dass sie dafür mit dem richtigen Duft aufwachsen, ist aber sicher.