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JUBILÄUM Radspur durch anderthalb Jahrhunderte

SABINE SCHICKE

OLDENBURG - Immo Vahl fühlt sich der königlichen Kaufmannstradition verpflichtet. In seinen Ohren klingt das gar nicht altmodisch. „Es gibt viele Kunden, die die persönliche Beratung in einem Fachgeschäft und das Vertrauen schätzen“, sagt der Inhaber der Firma Munderloh, die 150-jähriges Bestehen feiert.

Schon vor zehn Jahren hatte Vahl das quadratische Kunststoff-Firmenlogo an der Fassade zur Langen Straße durch ein Schild austauschen lassen, das einen Laufrad-Fahrer zeigt. Es soll an den badischen Freiherrn Karl von Drais erinnern, der das erste lenkbare Laufrad erfand. Das war 1816. Genau 43 Jahre später gründete der Schuh- und Gerätemacher Hermann Hinrich Gerhard Munderloh sein erstes Geschäft in Oldenburg.

Er war von seinen Wanderjahren durch Österreich zurückgekehrt und hatte dort eine Maschine kennengelernt, die mit einfacher Nahtführung das mühsame Sticheln mit der Hand ersetzte. „Die Maschine, die er dann als erstes baute, steht heute in Varel im Heimatmuseum, wird aber zu unserem Jubiläum im Geschäft gezeigt“, erzählt Immo Vahl, der im ersten Stock des mehr als 1000 Quadratmeter großen Innenstadt-Geschäfts ein kleines Museum eingerichtet hat.

Dort erinnern Nähmaschinen an den Beginn einer erfolgreichen Oldenburger Kaufmannsfamilie, die das Geschäft seit Generationen führt. Und dieses Museum soll nach Vahls Wünschen nicht nur Reminiszenz an die Technikbegeisterung seiner Vorfahren sein, sondern auch ein Wink an die nachfolgenden Generationen, die Hinterlassenschaften der Gründer zu würdigen. Ein echtes Laufrad ist dort zu sehen, aber auch das Hochrad, das viele Oldenburger aus dem Kramermarktsumzug kennen.

Heinrich Munderloh, Nachfolger des Firmengründers, war ebenso von der Technik fasziniert wie sein Vater und hatte 1884 das erste Hochrad in der Stadt verkauft. Das war noch am Firmensitz in der Haarenstraße. Sohn Georg Munderloh zog 1911 an die Langestraße um.


Die rasanten Fortschritte der Technik in jenen Jahren brachten eine Erweiterung des Sortiments mit sich: Schreibmaschinen und sogar Radios. 1925 kam die erste Hanomag-Vertretung und damit der Sprung ins Auto-Zeitalter (wenn auch zunächst nur als Ein-Zylinder). Die Autos brauchten in den folgenden Jahrzehnten immer mehr Platz, andere Marken kamen hinzu.

Mit den Jahren wurde es zu eng an der Langen Straße. Die Grundstücke an der Mottenstraße 19 und 20 wurden hinzugekauft.

Immo Vahl übernahm 1966 von seinem Onkel Georg die Geschäftsführung. Die Fußgängerzone war schon in Planung. Und so wurden die Autos ausgegliedert und firmieren seit 1972 an der Kreyenstraße. 1984 trat Sohn Karsten Vahl als Gesellschafter und Geschäftsführer des Autohauses ein.

Auch für das Fahrradgeschäft hat der 77-jährige Immo Vahl die Nachfolge 2005 auf den Weg gebracht. Erwin Martens und Kai Hullmann, beides langjährige Mitarbeiter, stiegen als Mitgesellschafter ein. Fahrräder liegen im Trend, ist Vahl überzeugt. Das gelte sowohl für Tourenräder als auch für ultraleichte Hightech-Rennräder mit allen Schikanen. 1000 Räder, Zubehör und Kleidung stehen an der Langen Straße.

Gefeiert wird am 17. März. Auf Geschenke verzichtet Vahl, er bittet um eine Spende für die Jugendarbeit des OTB, denn auch der feiert in diesem Jahr 150-jähriges Bestehen.

Daten und Fakten zur Munderloh-Geschichte

1859

wurde das Unternehmen von Gerätebauer Hermann Munderloh gegründet. 1867 startete er den Nähmaschinenbau an der Kurwickstraße 1.

1878

übernahm Heinrich Munderloh das Unternehmen und eröffnete 1878 ein Nähmaschinenfachgeschäft (Haarenstr. 22).

1911

baute Sohn Georg Munderloh das Unternehmen aus. Er eröffnete in der Lange Straße 73 ein Fachgeschäft für Fahrräder, Nähmaschinen und Schreibmaschinen. 1913 kamen Motorräder hinzu, 1925 die Hanomag-Vertretung für Personenwagen.

1935

wurde in der Mottenstraße 35 eine Autowerkstatt gebaut. 1953 kamen Velosolex-Mofas, Heinkel-Motorroller dazu, 1958 die Citroën-Vertretung.

1966

übernahm Immo Vahl die Geschäftsführung von seinem Onkel. Er zog mit dem Citroën-Teil des Geschäfts an die Kreyenstraße um. Das Fahrradgeschäft blieb an der Langen Straße, an der Kurwickstraße entstand die Zwei-Rad-Werkstatt.

1984

Sohn Karsten Vahl tritt in die Firma ein.
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