OLDENBURG - Ein Osnabrücker Rechtsanwalt macht seinem Berufsstand alles andere als Ehre: Seit Jahren taucht er im Zusammenhang mit Internet-Abzocke auf. 4000 Strafanzeigen gegen ihn liegen nach Medienberichten vor. Der Jurist trieb Gebühren für sogenannte Abofallen ein – und hat inzwischen nach mehreren verlorenen Gerichtsverfahren seine Kanzlei aufgelöst. Nun droht ihm auch berufsständischer Ärger.
Der Oldenburger Anwalt Jan Janssen Kramer, Vizepräsident der Rechtsanwaltskammer für den Oberlandesgerichtsbezirks Oldenburg, hat die Prüfung eines Verfahrens vor der Kammer angestrengt. „Ich habe den Anwalt schon länger beobachtet“, sagte Kramer jetzt derNWZ
, „aber nach einem Pressebericht über die Aufschrift ,Verbrechen lohnt sich doch auf seinem Nummernschild war das Maß voll.“Kramer zeigte den Juristen wegen „Verletzung der Berufspflichten“ an. Die Kammer kann in einem solchen Verfahren allerdings höchstens eine Rüge oder Verwarnung aussprechen. Strengt hingegen die Staatsanwaltschaft ein Verfahren bei der Kammer an, kann am Ende sogar der Ausschluss aus der Anwaltschaft stehen. Kramer schöpft Hoffnung aus inzwischen mehreren Urteilen, die den Anwalt dazu verpflichten, die Anwaltskosten jener Menschen zu übernehmen, die wegen seiner Methoden vor Gericht gezogen sind. „Die Gerichte sind zu dem Urteil gekommen, dass er von der Rechtswidrigkeit seiner Abmahnungen wusste und damit wissentlich Kosten verursacht hat.“ Nun müsse er wohl zurückzahlen. Inzwischen hätten mehrere Schwerpunktstaatsanwaltschaften Ermittlungen aufgenommen.
Kramer hat in dieser Woche einem Fernsehteam des ZDF die Einschätzung der Anwaltschaft zu ihrem „Schwarzen Schaf“ erläutert. Das Interview wird am Montag um 19.25 Uhr in der Reihe „WISO ermittelt“ ausgestrahlt.
