OLDENBURG - Hagen Dirksen lebt seit mehr als 20 Jahren in Chiang Mai. Seit 2000 setzt er sich in Nordthailand als Honorarkonsul Deutschlands für gute Beziehungen zwischen beiden Ländern ein. Für seine Verdienste wurde er schon mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Auch wenn es lange her ist, an Oldenburg erinnert er sich gut. Die Familie kam nach dem Krieg aus Westpreußen nach Gristede. Der heute 64-Jährige besuchte die Schule in Metjendorf und Oldenburg. „Später war ich dann noch mal in der Kaserne in Bümmerstede stationiert und in den Semesterferien als Rettungsschwimmer auf Juist tätig.“ Seine Mutter und eine Schwester leben noch heute in Bremen.
Auch wenn Dirksen Agrarökonomie studierte, so wollte er doch nie – wie seine Vorfahren – Landwirt werden. Er strebte nach größerer Unabhängigkeit und Abenteuer. Gern wäre er nach Südamerika gegangen, sprach er doch Englisch und Spanisch.
Erste Station in Asien war Bangladesch, wo er im Auftrag der Bundesregierung Projektassistent eines großen Entwicklungsvorhabens wurde, das sich landesweit um den Aufbau der Rinderzucht und Milchproduktion kümmerte. Das Land in Südasien wurde sein Eingangstor in den Kontinent, jedoch entschloss er sich zunächst weiter in Deutschland und England zu studieren und machte seinen Master. Anschließend ging er für die damalige Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) nach Thailand.
Es ging darum, Umsiedlern aus Staudammprojekten und Bangkok einen höheren Lebensstandard im Nordosten Thailands zu ermöglichen. Nächste Station war die Beratung der Regierung in Sri Lanka. Von da aus reiste er so oft nach Thailand. Und so schien es nur folgerichtig, dass er – statt zur GTZ Zentrale nach Deutschland zurückzukehren – Teamleiter des Deutsch-Thailändischen ländlichen Entwicklungsprogramms wurde und nach Chiang Mai kam. Eine ambitionierte Aufgabe, denn es ging nicht nur um die Kultivierung von Reis, Obst und Gemüse, sondern in den Bergregionen um den Ausbau von staatlichen Institutionen und Infrastruktur, nachhaltiges Management natürlicher Ressourcen sowie um die Reduzierung des Schlafmohn-Anbaus und Opium-Handels. Von 1990 bis 1998 engagierte er sich in diesem Langzeit-Projekt und ist stolz auf das, was erreicht wurde: Menschen eine Perspektive zu bieten in einer zeitgemäßen landwirtschaftlichen Existenz. Seine Erfolge sprachen sich herum, und so war er gefragter Ratgeber bei ähnlichen Vorhaben im sogenannten Goldenen Dreieck in Laos, Vietnam und Burma. Nicht zuletzt auch diese Verdienste wurden mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes gewürdigt.
Als er 1999 gefragt wurde, ob er das Amt des Deutschen Honorarkonsuls in Chiang Mai übernehmen wolle, besprach er das zunächst mit seiner Frau Wanphen, Besitzerin eines bekannten Thai Restaurants und Gästehauses (Baan Saen Doi). Überdies musste er bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) eine regionale Teilzeitbeschäftigung vereinbaren, denn er legte Wert darauf, auch weiterhin für die Entwicklungszusammenarbeit (EZ) in Asien tätig sein zu können.
Noch immer engagiert er sich im Management in vielen Projekten, die von der EU oder Bundesrepublik finanziert werden: Gesundheitsreform in den Philippinen, Förderung von Unternehmen in Vietnam und Erhalt der Biodiversität in Thailand und Laos. Auch war er wiederholt in Afghanistan. „Das ist derzeit die größte Herausforderung“, sagt er über das kriegszerstörte Land. Als Honorarkonsul kümmert er sich hauptsächlich um mehr als 1000 Deutsche, die in Nordthailand leben, Visa-Anträge von Thailändern, die Deutschland besuchen oder an deutschen Hochschulen studieren möchten, vermittelt Wirtschaftskontakte oder hilft auch deutschen Urlaubern in Notlagen. Am Herzen liegen ihm aber auch kulturelle Begegnungen. Entspannung bietet ihm auch eine Partie Golf (Handicap 17). „Gerade wenn man in Übersee lebt, muss man an seine gesundheitliche Fitness denken.“
