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Köpfe Das harte Geschäft mit der Schönheit

Thomas Haselier

OLDENBURG - Nein, ein Umsatzriese ist das Unternehmen des Oldenburgers Horst Klemmer sicher nicht. Seine Miss Germany Corporation (MGC) mit 18 Mitarbeitern ist selbst für regionale Größenordnungen mit einem Jahresumsatz von gut 1,1 Millionen Euro vergleichsweise überschaubar. Doch wenn es um die Außenwirkung geht, da hat die MGC vielen weit größeren Firmen einiges voraus. Die sinnigerweise in der Tangastraße in Oldenburg ansässige „Fräulein Deutschland Gesellschaft“ tourt das ganze Jahr durch das Land mit dem erstaunlich beständigen Geschäftsmodell, die Schönheit junger Frauen öffentlichkeitswirksam zu vermarkten.

Unzählige Kontakte

Nicht mehr mittendrin, aber immer noch kräftig dabei ist der mittlerweile 74-jährige Horst Klemmer, den so ziemlich jeder Oldenburger kennt. Auf die Bühne der Miss-Wahlen zieht es ihn kaum noch, die Moderation überlässt er in der Regel Schwiegertochter Ines, die vor einigen Jahren – noch als Ines Kuba – selbst Miss Germany wurde und durch Klemmer-Sohn Ralf in das Familienunternehmen kam. Horst Klemmer zieht heute im Hintergrund die Strippen, da ist er nach wie vor unschlagbar mit seinen unzähligen Kontakten. Und so war jetzt auch die diesjährige Endausscheidung der Miss-Wahlen im Europapark im badischen Rust wieder ein voller Erfolg. Nun beginnt für Klemmer und seine MGC nicht nur die Vermarktung der neuen Miss Germany, Anne-Kathrin Kosch aus Weimar, sondern auch bereits die Vorbereitung der Regionalwahlen zur nächsten Endausscheidung im Jahre 2012.

So rosig wie jetzt waren die Zeiten für Klemmers Geschäft mit der Schärpe nicht immer. Begonnen hatte er vor einem halben Jahrhundert im Auftrag der Opal-Werke, die sich als bekannter Strumpfhersteller Schönheitswettbewerben widmeten. Das war 1960, als der gelernte Steuerberater feststellte, dass ihm das pausenlose Reden auf der Bühne mehr lag als die Beschäftigung mit Steuermodellen und Abschreibungsmöglichkeiten in langweiligen Büros. Damals fanden die Endausscheidungen noch im Ausland, etwa in Puerto Rico, statt.

Dann machten die Opal-Werke 1970 pleite, und bis 1981 war es erst mal vorbei mit den Miss-Wahlen. Danach tummelten sich zum Unwillen Klemmers alle möglichen, meist unseriösen Veranstalter auf dem Markt, um mit dem Label „Miss Germany“ Geschäfte zu machen. Verbissen kämpfte Klemmer gegen die unliebsame Konkurrenz und um den Ruf seiner Miss Germany-Veranstaltungen. 15 Jahre prozessierte er vor allen möglichen Gerichten und hatte schließlich 1999 durchschlagenden Erfolg: Das Harmonisierungsamt für den Binnenmarkt im spanischen Alicante sprach Klemmer das alleinige Vermarktungsrecht für das „Miss Germany“-Label zu. Das Amt verwaltet für die EU Gemeinschaftsmarken und -geschmacksmuster. Die Gemeinschaftsmarke und das Gemeinschaftsgeschmacksmuster gewähren ihrem Inhaber ein in sämtlichen Mitgliedstaaten der Europäischen Union geltenden Markenschutz. Seit dieser Entscheidung ist die MGC die lästige Konkurrenz los.

Klemmer lernte im Laufe der Zeit immer mehr Stars und Promis kennen und gründete schließlich das Nordmanagement. Er vertrat viele von ihnen erfolgreich. Sein wohl bekanntester Schützling war der Komiker Heinz Erhardt, dessen goldene Schallplatte noch heute das Klemmer-Büro in Oldenburg ziert.


Gorbatschow geholt

Berühmt-berüchtigt ist die hemdsärmelige Art des rastlosen Oldenburger Managers, wenn er scheinbar unmögliche Aufträge umsetzen muss. So holte er 1994 praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit den ehemaligen KPdSU-Generalsekretär und Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow aus Moskau zu einem Firmentermin nach Köln. Klemmer, der den Kontakt über den Pressechef Gorbatschows und die deutsche Botschaft in Moskau hergestellt hatte, brachte den prominenten Politiker damals im Kölner Maritim-Hotel inkognito als „Herr Bergmann“ unter, damit niemand von dem spektakulären Besuch erfuhr, und narrte so auch die Kölner Polizei.

Angesichts solcher Geschichten geht schon mal unter, dass Klemmers MGC im Laufe der Jahre mehr als 100 Azubis ausgebildet hat. Auch das ist ein, zugegeben unspektakulärer, dafür aber nachhaltiger Erfolg.

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