OLDENBURG - Im Büro reihen sich Tresore an der Wand. Der Zugang ist mit elektronisch zu öffnenden Türen gesichert. Am Kundentresen, der durch eine dicke Glasscheibe vom Eingangsraum getrennt ist, werden Dinge auf die Goldwaage gelegt. Wir befinden uns im einzigen Pfandhaus Oldenburgs an der Donnerschweer Straße, und es ist ein ganz normaler Tag. „Am Ende des Geldes ist immer noch so viel Monat übrig“, sagt eine Kundin und schiebt eine Goldkette über den Tresen.

Geschäftsführer Bernhard Glander muss das Stück nicht lange begutachten: Er kennt es. 70 Prozent seiner Klientel sind Stammkunden. „Sie bringen das Pfandstück, bestreiten mit dem Erlös den Lebensunterhalt, bis das nächste Gehalt kommt, und dann lösen sie es wieder aus“, beschreibt er den üblichen Kreislauf.

Der schnelle, unbürokratische Kredit ist das Geschäft Glanders. Ohne Schufa-Auskunft, allein mit dem Personalausweis und einem geeigneten Pfand kann man sich hier mit dem nötigen Kleingeld versorgen. Der Pfandhaus-Chef kennt auch die andere Seite: Bevor er das Geschäft 1995 begann, war er Bankkaufmann und machte vor allem Finanzierungen.

Im Pfandhaus stellt er erheblich weniger Fragen und die Bedingungen sind für alle gleich: Eine gesetzlich festgelegte Bearbeitungsgebühr – bis zum Pfandwert von 300 Euro beträgt sie gestaffelt 1 bis 6,50 Euro – und ein Prozent Zinsen auf die Kreditsumme pro Monat. Der Pfandwert beträgt in der Regel 10 bis 20 Prozent des Zeitwerts – „das ist für viele ein Schock, aber es lässt sich alles erklären – schließlich bleibt das Stück ja auch Eigentum des Kreditnehmers“, so Glander.

97 Prozent der Pfänder sind Schmuck. Obwohl auch schon mal jemand mit einem Staubsauger oder einer Markise kommt – für Glander muss das Stück verwertbar sein. Deswegen nimmt er auch nur wenig Unterhaltungselektronik: „Handys gehen überhaupt nicht, weil die gibt es mit Vertrag überall fast umsonst, vielleicht noch neue Spielekonsolen“. Radios und Fernseher – das ist hier überhaupt kein Thema.


Löst der Kunde das Stück nicht in der dreimonatigen Vertragslaufzeit aus, geht es in die Versteigerung. Das betrifft etwa zehn Prozent der Pfänder. Zwei Mal im Jahr versteigert Glander die Stücke. „Man kann aber den Vertrag jederzeit verlängern, sogar noch bei der Vorbesichtigung der Versteigerung“, berichtet er – gegen eine neue Bearbeitungsgebühr und weiter laufende Zinsen. Was kaum jemand weiß: Übersteigt der Versteigerungserlös den Kreditbetrag, steht der Mehrerlös dem Kreditnehmer zu – bis zu einer Frist von zwei Jahren nach der Versteigerung.

Glanders Kunden kommen aus ganz Weser-Ems und aus allen sozialen Schichten: Mancher sucht den Zehn-Euro-Kredit, um sich etwas zu essen zu kaufen, der nächste will sich etwas Schönes anschaffen. Ein anderer ist Unternehmer und versetzt teure Uhren, um seine Angestellten bezahlen zu können, wieder andere brauchen das Geld, um die Nachzahlungen für Strom oder Gas bestreiten zu können. „Wir stellen keine Fragen“, sagt Glander. Dennoch kennt er viele Geschichten, denn „wir sind für viele die Einzigen, bei denen sie ihr Herz mal so richtig ausschütten können“.