OLDENBURG - Noch weiß niemand, wann der erste Spatenstich für den Bau der Küstenautobahn A  20 gesetzt wird. Zu viele Unwägbarkeiten stehen im Raum. Wie einigen sich Bund und Land mit betroffenen Anwohnern? Womit lassen sich Eingriffe in die Natur so gering wie möglich halten? Und wieviel Zeit werden die zu erwartenden rechtlichen Auseinandersetzungen in Anspruch nehmen?

Fragen über Fragen. Für Ministerialdirigent Bernd Schmidt vom Verkehrsministerium in Hannover aber kein Grund, die Planungen für die von der regionalen Wirtschaft so heftig geforderte Küstenautobahn nicht zügig voranzutreiben. „Liegen die baureifen Pläne erst mal vor, geht deren Umsetzung auch schneller vonstatten“, sagte Schmidt am Dienstag in der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK), wo Sponsoren des Projekts über den aktuellen Stand der Dinge informiert wurden.

Danach sieht es so aus, dass der erste Bauabschnitt – vom Anschluss an die A 28 bei Westerstede (Kreis Ammerland) bis nach Jaderberg (Kreis Wesermarsch) – in etwa vier Jahren planfestgestellt sein kann. In der Oldenburger Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr arbeitet man jedenfalls mit Hochdruck an dem Projekt, das nach Ansicht von Schmidt „den Grundgedanken eines echten europäischen Straßennetzes erfüllt“.

Straßenbauamtsleiter Joachim Delfs plant in drei Abschnitten: Von Westerstede bis Jaderberg, von Jaderberg bis Schwei und von dort bis zur Kreisstraße 50 kurz hinter dem Wesertunnel. Östlich der Weser sind die Kollegen aus Stade zuständig für die neue Autobahn, die bis zur Elbe oberhalb Hamburgs führt und von dort in die bereits bestehende A 20 nach Mecklenburg-Vorpommern übergeht.

113 Kilometer ist der Neubau lang, und knapp 1,3 Milliarden Euro wird er kosten. Gegner der A 20 – die in der ursprünglichen Projektierung zunächst A 22 geheißen hatte – halten das Projekt schlicht für überflüssig. Die Befürworter indes glauben, dass angesichts stetig wachsender Verkehrsströme und insbesondere wegen des Jade-Weser-Ports in Wilhelmshaven eine zusätzliche Ost-West-Verbindung zwingend notwendig ist. Jüngste Prognosen sagen nach Angaben von Schmidt und Jörg Uchtmann, dem Leiter der Autobahnpolizei Oldenburg, bis zum Jahr 2025 einen Anstieg des Güterlastverkehrs um knapp 80 Prozent voraus. Das kann nach Ansicht der Experten auch eine auf sechs Spuren ausgebaute A 1 allein nicht verkraften.


Logisch, dass der Oldenburger IHK-Präsident Dr. Karl Harms „Handlungsbedarf“ für die A 20 sieht. Der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur im Nordwesten sei „die grundlegende Voraussetzung für eine wachstumsorientierte Gesellschaft“, sagte Harms.