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Kundgebung Heiße Herzen im kalten Wind

Michael Exner

OLDENBURG - Hoheiten kommen nicht geritten, sondern gefahren – eher unstandesgemäß auf einem Hänger. Bei leichtem Nieseln und kaltem Wind nimmt die Bronze-Version von Graf Anton Günther am Sonnabendvormittag Aufstellung vorm Schloss. Die Arbeitsgemeinschaft der Bürgervereine hat die Kundgebung organisiert – und eine Drei-Stunden-Präsentation des von privater Hand gestifteten Reiterstandbildes, das aktuell weder Stadt noch Land geschenkt haben wollen.

Die Besucherzahl bleibt anfangs überschaubar (auch wenn sich später im Schnitt ständig etwa 150 Menschen auf dem Schlossplatz tummeln), immerhin aber sind es deutlich mehr Grafen-Anhänger als die Gegendemonstranten. Die Stimmung zwischen beiden Lagern ist frostig – Folge beiderseits heißer Herzen.

„Man hat mir gesagt, die Kundgebung von Herrn Seeber ist da hinten“, sagt Organisator Harald Götting von den Bürgervereinen. Er will das Schild „Wir brauchen keinen Grafen“ partout nicht in Grafen-Nähe sehen und gibt erst nach, als das Medieninteresse wächst.

Derweil positionieren sich die Wortführer, die das gleiche Parteibuch (SPD) besitzen. Ex-Landtagspräsident Horst Milde verteilt Pralinen mit Grafen-Glasur und gibt Interviews im Dutzend. Eine „Symbolfigur für Odenburg“ nennt er Graf Anton Günther (1583-1667), „wir helfen der Stadt und erinnern an deutsche Geschichte“, wirbt er für die Denkmal-Aufstellung, für die er (nach kühler Ablehnung durch die Landesregierung) bis zum Petitionsausschuss gegangen ist.

Den Gegenpart übernimmt Ekkehard Seeber, einst Kulturdezernent dieser Stadt. Der findet den Bronze-Grafen und überhaupt Reiterstandbilder „nicht zeitgemäß“ und schimpft, das sei kein Kunstwerk, sondern die „Nachäffung“ eines Entwurfes von 1671. Seeber hat ein Megafon mitgebracht, lässt es aber angesichts der Mehrheitsverhältnisse an der Schulter.


Während sich am Standbild Bürger zu den Klängen von „Heil Dir O Oldenburg“ in Pro-Denkmal-Listen eintragen (1000 sind’s am Ende laut Veranstalter) schlägt weiter hinten die Stunde der Spötter. „Auf den Utkiek muss er“, meint Ex-LzO-Chef Wilfried Barnstedt, während Ex-Pfarrer Dieter Qualmann einen anderen Ort präferiert: „In der Lambertikirche neben den Särgen“. Und der frühere CDU-Politiker Hans-Jörg Schramm erinnert sich eigener Taten: „Lieber meinen Engel auf die Friedenssäule, als das Pferd am Schloss.“

Einer hätte sicher viel zu sagen, mag aber nicht: „Ich sehe keinen Sinn, im 21. Jahhundert über Absolutismus zu diskutieren,“ bescheidet Historiker Professor Dr. Heinrich Schmidt Frager.

Einer seiner früheren Studenten scheint das zu teilen. Der SPD-Vorsitzende und Landtagsabgeordnete Jürgen Krogmann mag das Denkmal nicht als Kern einer historischen Debatte (und auch nicht zwingend am Schloss) sehen, sondern als „touristisches Wahrzeichen wie die Bremer Stadtmusikanten“. Ansonsten ist er fröhlich gestimmt: „Wohl der Stadt, die keine anderen Probleme hat.“

NWZ

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