OLDENBURG - In der Landwirtschaft sei durchaus Optimismus spürbar. Viele Betriebe „wollen nach vorn“, sagte der Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK), Arendt Meyer zu Wehdel, auch mit Blick auf die Anträge für Investitionsförderung. Doch die Rahmenbedingungen müssten so sein, dass man Chancen auch nutzen kann, betonte er am Donnerstag bei der LWK-Kammerversammlung in Oldenburg.

Nur etwa ein „oberes Viertel“ der Betriebe sei zurzeit in der Lage, Zinsen und Arbeitskraft wirklich zu erwirtschaften. Bei den Übrigen und ihren Angehörigen sinke das Einkommen bis hin zum „Sozialdumping“, sagte Meyer zu Wehdel.

Im laufenden Geschäftsjahr 2009/2010 (30. Juni) dürften die Betriebsergebnisse der Landwirte – im Durchschnitt – schwächer ausfallen als zuvor. Zwar sei im Bereich Futterbau (Milchwirtschaft) der Tiefpunkt offenbar überschritten, und es zeigten sich „erste Hoffnungsschimmer“, meinte Betriebswirtschaftsexperte Dr. Albert Hortmann-Scholten. Dagegen hätten Getreidebetriebe in diesem Sommer ihre Ernte meist zu „sehr niedrigen Preisen“ verkaufen müssen, und das bei weiterhin hohem Aufwand für Dünger und Energie. Auch die bereits auf niedrigem Umsatzniveau arbeitenden Veredler (Ferkel/Schweine) dürften die Betriebsergebnisse des Vorjahres verfehlen. Einziger Bereich mit deutlicher Besserung seien die Eier.

Im zurückliegenden Geschäftsjahr 2008/2009 erlitten viele Agrarunternehmen „massive Verluste gegenüber dem Vorjahr“, berichtete die Kammer. So sank das durchschnittliche Betriebsergebnis der etwa 48 000 Haupterwerbs-Höfe in Niedersachsen um 20,6 Prozent auf 45 811 Euro (Fünf-Jahres-Durchschnitt von 43 890).

Im Bereich Ackerbau wurde ein Minus von 23,7 Prozent auf 55 266 Euro errechnet (Fünf-Jahres-Schnitt: 55 895), für den Futterbau minus 52,6 Prozent auf 39 401 (49 662). Im Bereich Veredelung (Schweine/Ferkel) schnellte das Betriebsergebnis von extrem niedrigem Niveau aus um 275,7 Prozent auf 49 211 (Fünf-Jahres-Schnitt: 32 000) in die Höhe.


Meyer zu Wehdel und Kammerdirektor Jürgen Otzen wiesen auf Umorganisationen in der LWK hin, die darauf abzielten, „Partner der Betriebe“ zu sein, die sich den Herausforderungen des Weltmarktes stellten. So wurde den elf Bezirksstellen Budget-Hoheit eingeräumt, sie optimieren Maßnahmen für die unterschiedlichen Anforderungen vor Ort. Die überbetriebliche Ausbildung solle möglichst konzentriert werden und das Kammergebäude in Hannover „grünes Zentrum“ (u.a. mit dem Bauernverband) werden. Die Kammer reagiere mit ihren Angeboten auch auf das wachsende Bedürfnis nach Risikomanagement bzw. Energieeffizienz. In Arbeit sei zudem ein Niedrigenergie-Gewächshaus, das nur zehn Prozent der bisherigen Energie brauche.