OLDENBURG - Die Verbraucher sollten die teils kräftig gesunkenen Preise für Agrarprodukte zu verstärkter Nachfrage nutzen und den Konsum wieder auf das gesündere Niveau der Vorjahre heben. Das sei etwa im Interesse der Milch-Erzeuger sehr zu hoffen, meinte der Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK), Fritz Stegen, bei der LWK-Kammerversammlung am Donnerstag in Oldenburg.
Stegen legte mit Co-Präsident Friedrich Scholten die Betriebsergebnisse für das Wirtschaftsjahr 2007/2008 (30. Juni) vor. Fazit: Der Sektor hat es mit extremen Schwankungen der Märkte zu tun, und mit sehr unterschiedlichen Ertragslagen der Betriebe.
Bei Futterbaubetrieben etwa sei 2007/2008 mit einem Milchboom und durchschnittlich 36,5 Cent je Kilo Milch (plus 28 Prozent) wohl „das beste Jahr“ seit langem gewesen. Doch 2008/2009 drohe das schlechteste Jahr zu werden. Im Vorjahr wurde im Futterbau der durchschnittliche Betriebsgewinn um 63 Prozent auf 82 600 Euro gesteigert. Aus diesem Betrag müssen noch die Löhne des Betriebsleiters und der Mitarbeitenden bestritten werden, erläuterte Scholten. Mittlerweile ist der Milchpreis – wie mehrfach berichtet – seit seinem Hoch 2007 mit dem Rückfall auf 23,6 Cent im Oktober etwa halbiert. Auch die Aussichten seien „alles andere als gut“. Stegen sprach sich für eine Entlastung von den Quotenkosten aus. Die Quoten würden schon jetzt nicht ausgeschöpft.
Die Getreidepreise der Ackerbauern erreichten 2007/ 2008 „ungeahnte Höhen“, auch mit Zuckerrüben und Kartoffeln gab es laut LWK 2007 gute Erträge. Dass der Gewinn dennoch „nur“ um vier Prozent auf durchschnittlich 71 000 Euro je Betrieb stieg, lag an höherem Aufwand für Saatgut, Dünger und Pflanzenschutz. Die Kammer erwartet insbesondere bei Futtergetreide vorerst ein niedriges Preisniveau. Brotweizen stehe besser da.
Futtermittel verteuerten sich sogar um bis zu 40 Prozent – und das machte der in Weser-Ems extrem ausgeprägten Veredelungswirtschaft (Schweine, Geflügel) große Probleme – gekoppelt mit teils schwachen Absatzpreisen und „existenzgefährdenden Umsatzrückgängen“ vor allem bei Ferkeln. Der durchschnittliche Betriebsgewinn brach um weitere 71 Prozent auf nur noch 11 700 Euro ein.
Sauenhalter fuhren durchschnittlich sogar einen Verlust von 5000 Euro ein. Schweinebetriebe mit geschlossenen System kamen auf 9600 Euro Gewinn (minus 70 Prozent), Schweinemäster auf 32 600 Euro (minus neun Prozent). Sogenannte Verbundbetriebe mit vielfältigen Standbeinen präsentierten sich uneinheitlich. Ihren durchschnittlichen Gewinn gibt die LWK mit 39 800 Euro an – plus sieben Prozent.
Scholten erwartet für 2009 angesichts fallender Futterkosten, kleinerer Bestände und größerer Nachfrage „auch für die Ferkelerzeuger wieder auskömmliche Preise“. Die Mast bleibe lohnend. 2008 aber seien Veredelungsveredelungsbetriebe die „Verlierer des Jahres“.
Über alle Betriebsformen hinweg stieg der Gewinn aller niedersächsischen Höfe im Durchschnitt um 15 Prozent auf 56 700 Euro.
Die Kammer zog eine positive Bilanz ihrer Arbeit seit der Fusion 2006. Man sei „schneller zusammengewachsen, als viele uns das zugetraut haben“, sagte Stegen.
